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Freitag, 05.03.2010
Swisscom sorgt für Ärger beim E-Mail-Versand

Im Kampf gegen Spam greift der Telekommunikationskonzern zu ungewohnten Mitteln und sorgt für Ärger bei Internetnutzern.
 
Seit Anfang März hat die Swisscom damit begonnen, den ausgehenden E-Mail-Verkehr ihrer Kunden vor dem Versand auf Spam zu prüfen. Diese Umstellung führt dazu, dass viele Kunden keine Mails mehr verschicken können und stattdessen ein automatisiertes Antwortmail von Swisscom erhalten. Inhalt: "Authentifizierte Verbindungen nicht möglich. Bitte nutzen Sie den Port 587 oder kontaktieren Sie uns unter 0800 800 800". Dies selbst dann, wenn Kunden, die beispielsweise via Bluewin DSL mit dem Internet verbunden sind, ihre Mails über einen Mailserver, der sich ausserhalb des Bluewin-Netzes befindet, verschicken wollen.
 
10 Millionen Spam-E-Mails pro Tag
Auf Anfrage von inside-it.ch sagt Olaf Schulze, Mediensprecher der Swisscom, dass das Unternehmen gesetzlich verpflichtet sei, gegen den massenhaften Versand von unerwünschten E-Mails, sprich Spam, vorzugehen. Über das Netz des Telekom-Konzern seien vor der Massnahme rund 10 Millionen Spam-E-Mails pro Tag versandt worden. Die nun eingeführte Filterung von ausgehendem E-Mail-Datenverkehr, die sukzessive weiter aufgeschalten werde, habe zu einer Verringerung von rund 80 - 90 Prozent der Spam-E-Mails auf dem Swisscom-Netz geführt, so Schulze.
 
Aus technischer Sicht, erklärt Schulze weiter, wird sämtlicher ausgehender Datenverkehr auf den Ports 25 und 587 durch einen Spamfilter geführt, womit Spam-Nachrichten, die beispielweise durch mit Viren verseuchte PCs verschickt werden, erkannt und eliminiert werden. Danach werden nur nicht als Spam erkannte E-Mails an den Mailserver des Empfängers weitergeleitet. Das Problem dabei: Nutzt der User die verbreitete, sogenannte SMTP-Authentification auf Port 25, weist der Spamfilter die Nachricht ab, weil er damit nicht umzugehen weiss. Abhilfe schafft laut Schulze nur die Abschaltung der Authentifizierung oder die Umstellung in den Einstellungen der E-Mail-Software, wo als SMTP-Port für ausgehende E-Mails der Port 587 eingetragen werden muss.
 
Swisscom filtert auch Daten an andere Provider
Pikant an der Anti-Spam-Massnahme der Swisscom: Der Konzern wendet diese Filterregeln auch auf E-Mail-Datenverkehr an, der gar nicht an die Mailserver von Bluewin und Co. gerichtet ist, sondern eigentlich nur das Swisscom-Netz durchfliessen und zum Mailserver eines anderen Dienstleisters weitergeleitet werden soll. Die Swisscom hat damit auch die zumindest theoretische Möglichkeit, zum Beispiel Mails an bestimmte Adressaten abzufangen beziehungsweise nicht weiterzuleiten. Umgekehrt sorgt sie mit der Massnahme, wenn auch wahrscheinlich ungewollt, dafür, dass die anderen Provider mit (etwas) weniger Spamaufkommen auf ihren Mailservern rechnen dürfen. Wie der Mailingliste der SwiNOG (Swiss Network Operators Group) entnommen werden kann, sorgt das Thema nun auch bei Providern für Gesprächsstoff, deren Supportabteilungen vermehrt von Kunden mit Problemen beim Mailversand kontaktiert werden. (Thomas Bruehwiler)

Kommentare:
Mathias Hartmann Wie schon die anderen genannt haben, finde auch ich es als Zumutung, ohne Vorankündigung eine solch gravierende Massnahme "über Nacht" einzuführen.
 
Aus meiner Sicht ist das der erste Schritt in Richtung Zensur. China lässt grüssen - oder andere diktatorisch geführten Regimes.
 
Und als Relevanz für die Einführung wird was von Internet-Sicherheit und Reduktion von Spam gefaselt, dabei sind die grossen Spammer gar nicht in der Schweiz, auch nicht auf dem Sockel von Europa.
 
Grundsätzlich sehe ich es nicht Aufgabe meines Zugangsproviders, mir meine eigenen e-Mails nach Lust und Laune auszufiltern oder besser noch zu analysieren (Stichwort Echelon). Ich gehe davon aus, dass mein Provider meine e-Mails, die ich verfasse und versende auch ans Ziel bringt. Mit dieser neuen Filterung, die ich zudem weder beeinflussen kann (fail positives), weder noch Informationen dazu verfügbar sind, nach welchen Kriterien gefiltert wird, bin ich nicht einverstanden.
 
Mein Hoster verfügt über ein Echtzeit-Spamfilter, den ich einstellen (Filterstufe) und konfigurieren kann. Und so habe ich direkt auf die SSL-Verschlüsselung End-to-End umgestellt und dies auch meinen Kunden dringend geraten. So sind 2 Fliegen auf einen Schlag weg: Swisscom schnüffelt nicht in meiner Korrespondenz und andererseits ist meine e-Mail Verbindung mal sicher bis zum Hoster abhörsicher.
 
Greez - Mathias

Ossgi Housi Die Umstellung der Swisscom hat einige meiner Geschäftskunden in massive Probleme gestürzt. Ohne Vorwarnung war es ganzen Abteilungen nicht mehr möglich, Mails zu versenden.
 
Die Infos auf der Swisscom-Homepage mögen für Swisscom-Kunden nachvollziehbar sein. Für Kunden, welche sich erfrechen, nicht über den Bluewin-Server ihre Mails zu versenden, funktionierte die Umstellung nicht, da nicht jeder Server den Port 587 automatisch offen hält. Zudem musste ich feststellen, dass gewisse von Swisscom gelieferte ADSL Router über die eingebauten Firewall den Port 587 blockieren.
 
Swisscom als grösster Provider hat es offensichtlich nicht nötig, sich bei derartig schwerwiegenden Änderungen um die Auswirkungen zu kümmern. Dafür ist die Swisscom zu mächtig. Ich werde in Zukunft meinen Geschäftskunden nahelegen, einen anderen Provider zu suchen.
 
Mir bleiben einfach die Kosten für einen massiven Aufwand, welchen ich nicht weiterverrechnen kann.
Housi

Uwe Lingner Von dem Swisscom-Diktat bin ich auch betroffen. Wollte gerade eine E-Mail versenden und mein Programm konfrontierte mich mit einer Fehlermeldung. Als ich zwei Augenblicke später im Klaren darüber war, was vor sich geht, habe ich sofort die Hotline angerufen und meinen Bluewin DSL Anschluss auf Ende Monat gekündigt.
 
Was mich an der Vorgehensweise der Swisscom stört: 1. Es geschah ohne Warnung. Bei so einer gravierenden Umstellung wäre zumindest eine E-Mail fällig gewesen. 2. Ich habe einige Server in Deutschland gehostet. Wenn ich nun mit dem Client eine E-mail über meinen deutschen Server versenden will, greift Swisscom meine Post, filtert sie, und sendet sie erst dann an meinen eigenen Server weiter. Ich muss jedesmal den Port in meinem E-Mail-Programm umstellen, wenn ich mal mit dem Laptop nicht zu Hause mit dem Internet verbunden bin.
 
Mit diesen Einschränkungen bin ich nicht einverstanden. Na ja, das Scheiden tut nicht besonders weh, ich war sowieso mit den Leistungen der Swisscom nicht ganz zufrieden und werde Internet, Telefonie und TV bei einem anderen Anbieter wählen....

Raymond Juillerat J'ai cru quand j'ai vu que Swisscom ne donnait aucun détail précis pour l'utilisateur de ses services, que ces détails ne manquaient chez eux qu'en français (une habitude de presque toutes les maisons suisses ayant leur siège dans la partie alémanique de notre beau pays multilingue, y-compris Inside-IT). Mais non, je lis ici qu'en langue allemande, chez Swisscom ce n'est pas mieux. J'avais transmis ces informations de vos services (non-traduites) à des amis comprenant moins bien la langue de Goethe, il ont tout compris à l'envers ! Dur, dur …

Andreas Bühler Auch ich war von dieser Massnahme betroffen, obwohl ich keinen SMTP-Server von Swisscom verwende, sondern nur Bluewin als Provider habe.
 
Obwohl ich sogar ein gewisses Verständnis für die Massnahme habe, wäre eine Info vorab wohl nicht zuviel verlangt gewesen. Ich hoffe nicht, dass das der neue Swisscom-Stil ist.
 
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