Phion verkauft den 2008 übernommenen Ergon-Spin-off Visonys wieder an Ergon, bleibt aber in der Schweiz präsent. Ergon will das Visonys-Produkt Airlock weiterentwickeln und "in eine eigene, unabhängige Zukunft" führen.
Der Zürcher Softwarehersteller Ergon hat heute die Übernahme der Markenrechte und der unbeschränkten Nutzungs- und Verwertungslizenz der Web Application Firewall Airlock von Phion per 31. März 2010 bekannt gegeben. Es werden auch gewisse Vermögenswerte und Verpflichtungen übernommen. Phion bleibt Inhaber der Urheberrechte an der Software-Technologie und der diesbezüglichen Patente. Der Übernahmepreis wurde nicht mitgeteilt.
Spin-off, Verkauf, Umbenennung..."Airlock hat seinen Ursprung bei Ergon und wird auch bei uns in vielen Projekten eingesetzt. Die Software hat sich in der Schweiz als De-facto-Standard zum Schutz von Webanwendungen etabliert", sagt Ergon-Chef Patrick Burkhalter.
In der Tat gelangt das Produkt Airlock nun wieder dorthin, wo es entstanden ist. Ergon war bis 2002 für die Entwicklung von Airlock zuständig. Danach gründete Ergon den Spin-off
Seclutions, der den Vertrieb und die Weiterentwicklung von Airlock übernahm. 2006 wurde Seclutions
in Visonys umbenannt und zwei Jahre später wurde das Unternehmen
durch den österreichischen Security-Spezialisten Phion übernommen. 2009 übernahm der US-Anbieter
Barracuda Networks die Mehrheit von Phion.
Wie Ergon-Sprecherin Gabriela Keller zu inside-it.ch sagt, wird das gesamte Airlock-Team übernommen. Das aus 14 Personen bestehende Team soll als eigenständige Abteilung in Ergon integriert werden. Roman Hugelshofer, der schon 2005 zur damaligen Seclutions gestossen war, übernimmt die Abteilungsleitung. Cyrill Osterwalder, der in den vergangenen Jahren Visonys beziehungsweise Phion Schweiz als CEO leitete, habe das Unternehmen zum Jahreswechsel verlassen.
Überlappendes ProduktangebotOsterwalder wie auch das gesamte Airlock-Team wollten weg von Phion, weil der neue Besitzer, Barracuda, ein Produkt im Angebot hat, das Airlock direkt konkurrenziert. Der Umstand, dass Phion seit längerem
Verluste schreibt, dürfte auch eine Rolle gespielt haben.
Ergon verspricht nun, dass Airlock weiterentwickelt und "in eine eigene, unabhängige Zukunft" geführt wird. Die Reseller-Struktur soll erhalten bleiben. "Airlock wird weiterhin nicht direkt verkauft", so Keller. Ergon werde nun als Besitzer nicht mehr Reseller sein. Das Airlock-Team bleibe vorerst an der Zürcher Ottikerstrasse. Denkbar sei aber, dass das Team in Zukunft in die Nähe von Ergon rücke.
Phion will sich derweil nicht aus der Schweiz zurückziehen. Das nun noch aus vier Personen bestehende Vertriebsteam in Zürich unter der Leitung von Markus Walcher soll ausgebaut werden, sagt Phion-Sprecherin Constanze Liebenau auf Anfrage. (Maurizio Minetti)
(Interessenbindung: Ergon ist Technologiepartner unseres Verlags.)