10?! Ruedi Noser, Inhaber Noser Group und Ständerat

28. März 2022, 07:08
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Der Zürcher Ständerat und Inhaber Noser Group über seine Vergangenheit als Entwickler und die Notwendigkeit von "Realtime Regulierung."

1. Welcher war Ihr erster Computer und woran erinnern Sie sich speziell? Wenn ich mich richtig erinnere, war das ein Sharp mit der Programmiersprache Basic. Man konnte Go-to Zeilennummern programmieren. Ich weiss noch, dass es immer ein grosses Durcheinander gab, wenn ich das tat.
2. Gibt es einen Informatikberuf, den Sie nicht mehr ausüben möchten und warum? Ich habe für mein Leben gerne Software entwickelt – damals noch Assembler, PL/M von Intel oder Pascal, Modula und C. Heute könnte ich das nicht mehr. Ich habe den Anschluss komplett verloren und wäre auch nicht mehr in der Lage, das zu lernen. Darum bin ich froh, nicht programmieren zu müssen. Aber die Erfahrung von damals nützt mir dennoch, um Probleme von heutigen Projekten zu verstehen.
3. Wie wird sich das Jobprofil einer Informatikerin oder eines Informatikers in den nächsten Jahren verändern? Er oder sie wird immer mehr zum Business Consultant, weg von der Technik. Die Informatiklehre wird darum immer stärker die Funktion der KV-Lehre übernehmen und zu einer Basisausbildung mit vielen Weiterbildungsmöglichkeiten werden.
4. Was raten Sie jungen Informatikerinnen und Informatikern, die Karriere machen wollen? Es ist wichtig, sich vielseitig weiterzubilden. Ich bin überzeugt, dass man viele Dinge können muss. Lösungen bis ins Detail realisieren: Von der Beratung, zur Konzeption, Umsetzung und Inbetriebnahme bis hin zur Überprüfung der Kundenzufriedenheit. Bitte gestatten Sie mir die Bemerkung: Ein Generalist ist einer, der in vielen Bereichen etwas kann. Einer, der von allem nur etwas weiss, ist eher ein Journalist.
5. Was lernten Sie erst in Ihrer jetzigen Rolle als Verwaltungsrat oder Ständerat über Technologie und nicht vorher? Programmieren beruht auf Modellen und Architekturen. Man braucht eine klare Vorstellung, wie man etwas abbildet. Gesetze sind nichts anderes. Sie regeln die Realität und sie gehen von einer Modellannahme aus. Wenn man gute Modelle hat, bekommt man gute Gesetze. Von daher profitiere ich noch jeden Tag von meiner beruflichen Erfahrung. Was ich auch gelernt habe: Es ergibt keinen Sinn eine Lösung zu erarbeiten, wenn man das Problem nicht verstanden hat, und sich nicht einig ist, welches Problem man lösen will. Ich stelle fest, dass viele, die einen anderen Background haben, Lösungen vorschlagen, ohne dem Problem wirklich auf den Grund gegangen zu sein.
6. Welche IT-Produkte oder -Dienstleistungen von früher vermissen Sie heute? Ab und zu die ersten Games, die es damals gegeben hat.
7. Wird es im Laufe der Karriere einfacher oder schwieriger, sich für Technologie-Versprechen zu begeistern? Sich zu begeistern wird nicht schwieriger, die Technologien zu verstehen aber schon. Und sie dann auch noch anzuwenden, ist noch schwieriger.
8. Welche Technologie wird in den nächsten 5 Jahren Ihrer Meinung nach den grössten Einfluss auf politische Entscheidungen haben und warum? Ich bin überzeugt, dass "Realtime Regulierung" wichtig wird. Also Regulierung, die direkt in Form von Software geschaffen wird und die Rechtskonformität von Prozessen in Echtzeit kontrolliert. Ob das aber bereits in den nächsten 5 Jahren passieren wird, weiss ich nicht.
9. Gibt es eine Entwicklung in der IT, die Sie für total überschätzt halten? Die Fake-News-Diskussion: Menschen haben schon vor 1000 Jahren viel geglaubt oder ihre Wundermittel gehabt. Die Kirche hat – wohl auch als Reaktion darauf – den Mainstream bestimmt und viele, die ihm nicht gefolgt sind, umgebracht. Das Entdecken der Mündigkeit hat uns wieder erlaubt, selber zu denken und zu entscheiden. Jetzt beginnt man, uns immer mehr unmündig zu machen, wodurch der falsche Glaube Hochkonjunktur hat. Wir müssen unserer Mündigkeit besser Sorge tragen und weniger über Fake News reden.
10. Was haben Sie persönlich aus der Corona-Krise gelernt? Wenn eine Krise da ist, dann geht es plötzlich schnell – ausser im Gesundheitswesen. Die Schule und die Wirtschaft haben rasch umgestellt und reagiert. Das Gesundheitssystem hat die Krise mehr oder weniger ausgesessen. Sich den aktuellen Umständen anpassen zu können, ist die Voraussetzung für das organisationale Überleben; gerade in Krisen gilt "Survival of the fittest". Das haben fast alle geschafft. Nur vom Gesundheitssystem würde ich mehr Flexibilität erwarten.

Zur Person

Ruedi Noser ist seit Ende 2015 Ständerat des Kantons Zürich. Darüber hinaus ist er Alleinaktionär und Mitglied des Verwaltungsrates der Noser Management AG, welche die Muttergesellschaft aller Unternehmen der Noser Gruppe bildet. Das Unternehmen ist einer der grössten ICT-Arbeitgeber des Landes und beschäftigte bei einem Jahresumsatz von 118,3 Millionen Franken im Jahr 2020 über 600 Mitarbeitende.

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