650 ICT-Lehrabschlüsse in Zürich kommen auf 2500 offene Stellen

15. Juli 2022 um 12:00
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1'600 Gäste nahmen an der ICT Berufsabschlussfeier 2022 teil. Foto: ICT Berufsbildung Zürich

Die Abschlussfeierlichkeiten im Kanton werden vom Fachkräftemangel überschattet. Die Ausbildung bleibe deutlich hinter dem Bedarf zurück, sagt die Geschäftsführerin von ICT Berufsbildung Zürich.

Letzte Woche fanden die Feierlichkeiten für die erfolgreichen Lehrabschlüsse statt. Im Kanton Zürich durften 647 junge Menschen ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) im ICT-Bereich entgegennehmen. Dies teilt ICT Berufsbildung Zürich mit.
Angetreten waren insgesamt 700 Personen. Die Erfolgsquote liegt damit bei über 95%. Die Zahl sei aber so hoch, weil in der modularen Lehre bereits vorher ausgesiebt würde, sagt Barbara Jasch, Geschäftsführerin von ICT Berufsbildung Zürich. Und sie moniert, dass der Notenschnitt mit 4,9 eigentlich zu hoch sei, um einen guten Indikatoren für die Qualität der Abschlüsse zu haben.
Gleich drei Lehrabschlüsse mit einer lupenreinen Sechs bei der praktischen Arbeit sind im Kanton zu verzeichnen: Mit Valentin Jauch von Ergon und Marc Schmidt von der Kanti Hottingen konnten sich zwei Applikationsentwickler darüber freuen. In der Betriebsinformatik schaffte Leo Widmer vom Ausbildungsverbund der Stadt Zürich das Kunststück. Applikationsentwickler Jauch erreichte zudem in der Gesamtnote eine glatte Sechs.

"Wir entwickeln uns zu langsam"

Es hätten angesichts des Fachkräftemangels deutlich mehr Abschlüsse sein dürfen, heisst es von ICT Berufsbildung Schweiz. Die Absolventen seien schliesslich die künftigen Fachleute. Innerhalb von 4 Jahren hätten über zwei Drittel einen weiteren formellen Abschluss oder ein Industriezertifikat erworben. Im Kanton sind derzeit 2475 IT-Stellen ausgeschrieben.
Tatsächlich zeigen die Zahlen von ICT Berufsbildung, dass die Zahl der Lehreinsteigerinnen und -einsteiger im ICT-Bereich stagniert. "Wir entwickeln uns angesichts des Fachkräftemangels einfach zu langsam", sagt Jasch, die die Situation schon länger mit Sorgen beobachtet. Der Bildungsbedarf in der beruflichen Grundbildung steigt laut Verband bis 2028 um über 10%, die höhere Berufsbildung soll sogar über einen Fünftel mehr Absolventen hervorbringen müssen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten.
Da ist es ein schlechtes Zeichen, dass die Lehrstellen seit 2018 mehr oder weniger stagnieren. Dies legen zumindest Zahlen von ICT Berufsbildung Zürich nahe: 2018 wurden in den angestammten ICT-Berufen 532 Lehrverträge unterzeichnet, 2021 waren es immer noch nur 546. Massnahmen seien dringend nötig, sagt Jasch, man müsse namentlich besseres Berufsmarketing betreiben und über weitere Bildungsgefässe für den Beruf nachdenken.

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