Alibaba will sein Cloud-Business komplett abspalten

19. Mai 2023 um 11:35
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Das Alibaba-Hauptquartier im chinesischen Hangzhou. Foto: Thomas Lombard unter Lizenz CC BY-SA 3.0

Der chinesische Techprimus plant eine separate Cloud-Gesellschaft. Analysten rätseln: Beugt sich Alibaba politischem Druck?

Alibaba möchte offenbar Nägel mit Köpfen machen: Der chinesische Techkonzern will das Cloud-Geschäft komplett in eine eigene Gesellschaft auslagern. Die Cloud hat 2022 rund 11,6 Milliarden Dollar zum Umsatz von Alibaba beigetragen, das entspricht 8% des Gesamtumsatzes. Dies zeigen die letzten Geschäftszahlen, die eben veröffentlicht wurden, die Erwartungen der Analysten aber enttäuschten.
Die Aufteilung von Alibaba in 6 Unternehmen unter einer Holdinggesellschaft hatte CEO Daniel Zhang schon im März angekündigt. Damals teilte der Konzern noch mit, Zhang werde künftig die Geschicke der Holding wie auch der Cloud-Gesellschaft leiten. Man restrukturiere den Techkonzern, um flexibler zu werden und die Entscheidungswege zu verkürzen, hiess es in einem Rundschreiben an Mitarbeitende.
Nun schreibt 'Bloomberg', dass das Cloud-Geschäft vollständig ausgegliedert werden soll. Zhang hatte dies kürzlich selbst angegeben: Die 6 Firmen sollen demnach nicht nur selbständig an die Börse gehen, es steht auch in Aussicht, dass Alibaba die Kontrolle über das Cloud-Business vollständig abgibt.

Wieso trennt sich Alibaba vom Cloudgeschäft?

Chinas Techprimus hat in den letzten Jahren Milliarden in die Cloud investiert, über Jahre war die Sparte ein Treiber und Vorzeigesegment von Alibaba. Wie bei Amazon ist die Cloud-Sparte wichtig für die rasche Skalierbarkeit von Onlineshops während den grossen Einkaufsspitzen, etwa am chinesischen "Singles' Day". Dann werden hunderttausende von Transaktionen in der Sekunde abgewickelt, da sind die Cloud-Ressourcen essenziell.
Die Trennung vom Erfolgsbereich wirft Fragen auf: Geht es um das Geschäft oder beugt sich Alibaba politischem Druck? 'Bloomberg' nennt 2020 als Jahr, in dem China die Überwachung von privaten Cloud-Anbietern verschärft hat. Alicloud wurde im Jahr darauf von Behörden scharf kritisiert, weil die Firma einen Softwarefehler veröffentlichte, statt ihn dem Staat zu melden. 2022 spielte Alicloud auch eine zentrale Rolle in im grössten Datenleck der chinesischen Geschichte.
Die nun anstehende Entwicklung dürfte auch aus der Schweiz mit Interesse verfolgt werden. Der Cloud-Riese unterhält in Europa zwei Rechenzentren und zählt hierzulande auch Kunden. Darunter findet sich etwa die Bundesverwaltung, welche Public-Cloud-Dienstleistungen von Alibaba beziehen kann.

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