Amazon-Angestellte wollen wissen, wie sie über­wacht werden

15. März 2022, 15:10
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Ein Blick in eine Amazon-Lagerhalle in Maryland. Foto: Maryland GovPics / Wikimedia Commons unter CC BY 2.0

Mit einer DSGVO-Anfrage wollen Lagerangestellte des E-Commerce-Giganten herausfinden, welche persönlichen Daten über sie gesammelt werden und wozu.

Die Mitarbeitenden von Amazon in Europa wollen wissen, inwiefern sie von ihrem Arbeitgeber überwacht werden und ob die gesammelten Informationen gegen sie verwendet werden. Lagerangestellte aus Deutschland, Grossbritannien, Italien, Polen und der Slowakei haben ein entsprechendes Auskunftsersuchen gemäss den Richtlinien der DSGVO gestellt. Die Anfrage wird laut einer Mitteilung vom internationalen Gewerkschaftsverband UNI Global Union sowie der Datenschutzorganisation Noyb koordiniert.
Gemäss den Artikeln 13 und 14 der DSGVO haben EU-Bürgerinnen und Bürger das Recht, über die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten informiert zu werden, schreibt Noyb in einer Mitteilung. Die Angestellten von Amazon erhielten wenig bis gar keine Informationen über die "intensive Überwachung, die ihren Alltag in der Lagerhalle bestimmt", schreibt Noyb. Sie wüssten nicht, welche Informationen gesammelt und zu welchen Zwecken sie an wen weitergegeben werden. Unklar sei auch, inwiefern automatisiert und auf Grundlage von Tracking-Daten über die berufliche Zukunft der Arbeitnehmenden entschieden wird.
"Dies ist ein klassischer Fall von Informations- und Kontroll-Asymmetrie. Auf der einen Seite haben wir ein privates Unternehmen, das riesige Mengen an persönlichen Daten sammelt, und auf der anderen Seite haben wir Einzelpersonen, die in der Zwickmühle stecken und wirtschaftlich von ihren Arbeitsplätzen abhängig sind", so Stefano Rosetti, Datenschutz-Jurist bei Noyb. Dies soll sich durch das Auskunftsersuchen ändern.
Immer wieder sorgt Amazon wegen des detaillierten Trackings seiner Angestellten für Schlagzeilen. 'Bloomberg' beispielsweise berichtete, dass Amazon-Fahrer schon wegen kleiner Missgeschicke, die eine menschliche Führungskraft wohl ignorieren würde, per App gefeuert würden.
"Die Kombination aus Amazons unersättlichem Appetit auf Daten und seinem gewerkschaftsfeindlichen Verhalten ist äusserst beunruhigend", kommentiert Christy Hoffman, Generalsekretärin von UNI Global Union.
Die Gewerkschaft publizierte vergangenes Jahr einen Bericht über die Systeme, mit denen Amazon-Beschäftigte überwacht werden. Dies reicht vom Monitoring der Bewegungen der Beschäftigten in den Lagerhallen über das Tracking der Produktivität der Lagerangestellten via Daten ihrer Barcode-Scanner hin zur Beobachtung des Fahrverhaltens der Zusteller mit KI-gestützten Kameras.
Dem Bericht von UNI zufolge beschäftigt Amazon weltweit 1,3 Millionen Mitarbeitende, davon über 100'000 in der EU. Nicht eingerechnet sind Personen, die über Personalagenturen eingestellt oder als Selbstständige klassifiziert werden.

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