Arbeiten in der virtuellen Welt ist anstrengend

23. Juni 2022, 11:54
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Foto: Eddie Kopp / Unsplash

Wie fühlt es sich an, eine Woche lang in der virtuellen Welt zu arbeiten? Eine Studie zeigt, nicht sehr gut, aber vielleicht gewöhnt man sich (ein bisschen) daran.

Videokonferenzen mit Hologrammen, Fernwartung mittels Augmented Reality und Shopping im Metaverse. Geht es nach den Tech-Konzernen, sollen sich Teile von Arbeit und Leben künftig hybrid oder virtuell abspielen. Doch, so eine neue Studie, das Arbeiten im Metaverse ist richtig anstrengend. Übelkeit und Migräne sind nur zwei der "Nebenwirkungen", die die Studienautoren aufgezeichnet haben.
Für ihre Arbeit hat ein internationales Forscherteam Teilnehmende 5 Tage lang jeweils 8 Stunden zunächst in einem normalen und anschliessend in einem virtuellen Büro arbeiten lassen, ausgestattet mit VR-Headsets. In dieser Zeit sollten die Teilnehmenden aufzeichnen, wie es ihnen physisch und psychisch geht. Gemessen wurden die Nutzerfreundlichkeit, die gefühlte Produktivität, Frustrationen sowie visuelle Ermüdung.
Die Studie zeigte insbesondere eine hohe Frustration und Angst im virtuellen Setting. "Seekrankheit" wurde von den Teilnehmenden ebenso genannt. Letzteres ist im Zusammenhang mit VR-Anwendungen bekannt und hat somit auch schon den Namen "virtuelle Realitätskrankheit" erhalten. Ausserdem haben die Teilnehmenden ihre eigene Produktivität als gering eingeschätzt und ein abnehmendes Wohlbefinden bemerkt.
Die Teilnehmerzahl war mit 16 Personen eher klein. Von diesen mussten 2 Personen bereits am ersten Tag aufgrund von Übelkeit, Angstzuständen und Migräne abbrechen. Fast die Hälfte der verbliebenen Teilnehmer berichtete daneben über eine stärkere Überanstrengung der Augen durch das achtstündige Tragen eines VR-Headsets.

Technologie ist noch nicht so weit

Die Teilnehmenden arbeiteten eine Woche in einem regulären Setting, mit Maus und Tastatur vor einem Monitor. Anschliessend wurden sie für eine Woche mit der VR-Brille Oculus Quest 2 sowie einer regulären Tastatur ausgestattet. Auch der virtuelle Monitor, der im experimentellen Arbeitsbereich angezeigt wurde, hatte die gleiche Grösse wie die physischen Monitore, die sich an den realen Schreibtischen der Probanden befanden.
Die Nutzerfreundlichkeit in der virtuellen Welt sei bedeutend geringer, so ein weiteres Fazit der Studienteilnehmer. Auch sei es schwieriger zu tippen und Notizen zu machen. Man sei sich bewusst, dass beim aktuellen Stand der Technologie die Arbeit für die User noch sehr anstrengend ist, so die Forscher. "Dennoch halten wir es für ein lohnendes Unterfangen, die Auswirkungen der Arbeit in der virtuellen Welt zu quantifizieren", so die Forscher.
Die Autoren merken an, dass sich innerhalb von ein bis zwei Tagen im VR-Setting viele der Ergebnisse verbessert hätten. Zu diesem Zeitpunkt sei aber nicht klar, ob diese Verbesserung darauf zurückzuführen sei, dass sich die Gehirne der Teilnehmer an die neuen Bedingungen angepasst hätten. Es könne auch sein, dass die Teilnehmenden zum Start zu hohe Erwartungen an die VR-Technologie gehabt hätten.

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