Von Bloggern und anderen Schreiberlingen

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht
 
SAPPHIRE ist eine Mega-Show: 12 Minuten Weg vom Eingang zur Halle mit den Keynotes, 8000 BesucherInnen, 300 Journis, Analysten und Blogger, Häppchen, Häppchen, Info-Häppchen, nächtliches Versumpfen mit Journi-KollegInnen, noch mehr Häppchen, 394 Stufen hinauf zum Tumzimmer von Wiens Kathedrale St. Stephan, Ellbögeln gegen die Sumpfkollegen der Nacht zuvor um einen Termin beim gewünschten "Executive" - dazu ein Tennisarm vom Laptop-Schleiken. Und die Frage, warum nur genau eine Tramlinie in Wien, nämlich die zur Messe, Reklame-Schilder hat. Die Reklame drauf: Oracle. Sind die so raffiniert?
 
Ausserdem bot die SAPPHIRE Gelegenheit zu mediensoziologischen Studien. SAP lud nämlich zum ersten Mal nicht nur Analysten und JournalistInnen ein, sondern auch Blogger. SAP ist nun nämlich auch eine Web 2.0-Company. Und wo Web 2.0 ist, da müssen auch Blogger sein.
 
So konnten wir nun endlich am lebenden Objekt erforschen, was denn genau der Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten sei. Hier die Liste der zehn wichtigsten Unterschiede zwischen den Lohnschreibern in Form von Bloggern und Journis:
  1. Blogger haben Macs.
  2. Blogger sitzen an einem langen Tisch vis-à-vis und haben Spass miteinander. Journis hocken auch an langen Tischen, aber hintereinander und haben Angst, ihr Konkurrent würde ihnen ne Story klauen.
  3. Blogger schreiben über die Krawatte von Kagermann oder überhaupt vor allem über Dresscodes.
  4. Blogger haben manchmal noch Mühe mit mit dem Selbstbewusstsein: "Gosh, Bloggers got a welcome message too!"
  5. Blogger schreiben "ich". Das dürfen wir nicht.
  6. Blogger veröffentlichen Fotos von sich selbst. Haben also doch keine Mühe mit dem Selbstbewusstsein.
  7. Journis werden an der Pressekonferenz von höchster Stelle des Unsinn-Schreibens und falsche-Gerüchte-Verbreitens bezichtigt - nehmen das aber sportlich und vergnügen sich erst recht am luxuriösen Analysten-Journi-Blogger-Empfang der SAP-GL. Journis sagen cool: "Der musste so reagieren - das zeigt ja nur, dass meine Story wahr ist." (sehr wahrscheinlich war sie's nicht...)
  8. Journis erzählen einander dauernd, was für geile Geschichten sie gemacht haben, die die Welt erschütterten.
  9. Die Medien der Blogger haben so coole Namen wie "projectfailures.com". (Übrigens: ein empfehlenswertes Blog!)
  10. Blogger nützen die Einladung zu touristischen Eskapaden, geniessen das teure Hotel und das gute Wetter und veröffentlichen ihre Fotos auf Flickr. Journis machen auch am liebsten Tourismus und geniessen das teure Hotel Doch sie schreiben kein Wort darüber, sondern meckern und stöhnen, wie stressig es wieder gewesen sei. (Christoph Hugenschmidt)