The Good, the Bad and the Will

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht:
 
Zugegeben: Das Studieren von Geschäftsberichten gehört nicht zu unserer Spezialität. Und schon gar nicht Halbjahresberichte von börsenkotierten deutschen Unternehmen, die auf Dutzenden von Seiten Berechnungen anstellen, wie die Bilanz "pro-forma" ausgesehen hätte, wenn man einkalkulieren würde, dass...
 
Doch der letzte Halbjahresbericht der börsenkotierten Bechtle-Gruppe enthält auf Seite 37 immerhin ein sprachliches Highlight: "Badwill" – steht da Schwarz auf Weiss. Was aber ist ein "Badwill"? Logisch das Gegenteil von Goodwill – jenem Betrag also, den man bei Firmenübernahmen für schwer bezifferbare Werte wie die Kundenkartei oder Markennamen bezahlt. Ein "Badwill" ist also der Betrag, den der Verkäufer bezahlt, damit er die Bude überhaupt los wird.
 
Bechtle bezahlte für Also Comsyt 1,288 Millionen Euro – das Eigenkapital betrug aber 4,637 Millionen Euro. Also resultierte ein "Badwill" von 3,349 Mio. Euro – so der besagte Halbjahresbericht. Doch die Comsyt besass noch ein wertvolles Gut: Verlustvorträge. Diese kann man mit Gewinnen verrechnen, so dass geringere oder keine Gewinnsteuern anfallen. Deshalb wurde die frisch gekaufte Also Comsyt schwups mit der ARP Datacon AG fusioniert – worauf die zu bezahlenden Gewinnsteuern der ARP um weitere 3,477 Mio. Euro sanken. Somit ergibt sich gemäss Bechtle Halbjahresbericht ein "Badwill" von Total 7,470 Mio. Euro.
 
Die Rechnerei ist damit aber noch nicht zu Ende. Von diesem Betrag muss man dann wieder das Anlagevermögen der Comsyt abziehen (oder in deutschem Finanzerdeutsch: "abstocken") und kommt dann so auf einen ausserordentlichen Gewinn von 3,609 Mio. Euro für Bechtle. Noch Fragen?
 
Für alle, die sich durch meinen Zahlensalat bis hierher durchgequält haben, die Zusammenfassung der Fakten.
 
Die Also Holding bekam durch den Verkauf der Comsyt 1,288 Mio. Euro – musste dafür aber Comsyt-Eigenkapital in der Höhe von 4,637 Mio. Euro sowie Verlustvorträge im Wert von 3,477 Mio. Euro abgeben. Dafür ist die ebenfalls börsenkotierte Also-Gruppe eine im Alleingang vielleicht gar nicht lösbare Aufgabe los.
 
Bechtle bekam neben der Firma samt ihren Mitarbeitenden und deren Wissen und Können die schwierige Aufgabe die ehemalige Also Comsyt-Niederlassung neu als KMU-Systemintegratoren im Markt zu positionieren. Die Aufgabe wurde versüsst durch einen schönen ausserordentlichen Gewinn von 3,5 Mio. Euro. (Christoph Hugenschmidt)