Elca: Eine Schweizer Software-Firma (fast) älter als Software

Happy Birthday - Elca. Der grösste, unabhängige Schweizer Softwarehersteller wird 40. Wie sich die welsche "Electro-calcul" aufmachte, die Welt zu erobern.
 
Gibt es Schweizer Software-Hersteller? Oh ja, es gibt diese - bisher fast heimlich existierende - Firmenspezies tatsächlich - und zwar schon lange. So feiert der grösste, unabhängige Schweizer Software-Hersteller, Elca Infomatik, dieses Jahr das 40-jährige Bestehen.
 
Angefangen hat dieses jüngere Kapitel Schweizer Industriegeschichte ganz klassisch, nämlich mit dem berühmten Wasserkraftwerk Grand Dixence, mit der heute noch fünfthöchsten Staumauer der Welt. 1968 gründete ein Team von Ingenieuren die Firma Electro-Calcul und entwickelten eine rechnergestützte Steuerung für die Anlagen von Grand Dixence.
 
1977 entwickelten die findigen Romands ein neues Produkt zur Prozesssteuerung und setzten dabei auf ein damals relativ neuartiges Konzept in der EDV: Datenbanken. 1984 beschäftigte Electro-Calcul rund 20 Mitarbeitende. Energie Ouest Suisse stieg als Aktionär ein, ein Schritt, den 1988 auch die SBB machte. Erst Jahre später sollten die wichtigsten Kunden als Aktionäre wieder aussteigen.
 
Expansion nach Zürich, Genf, Bern, Vietnam...
1992 folgte der erste Expansionsschritt mit der Gründung der Elca Informatik AG in Zürich. Ein Jahr später übernahm der heutige Chef, Daniel Gorostidi, die Leitung und Elca beteiligte sich am Document-Management-Spezialisten Matrix.
 
1998 dann beschäftigte Elca bereits 150 Mitarbeitende und hatte weitere Niederlassungen in Genf und Bern eröffnet. Die wichtigste Entwicklung war aber der Sprung nach Vietnam, wo Elca ein Produktionszentrum eröffnete, um mit den wachsenden Auftragsmengen in der Schweiz überhaupt noch Schritt halten zu können.
 
Wohlgemerkt: Elca baute mit der Eröffnung eines Offshore-Entwicklungszentrums nicht etwa Stellen in der Schweiz ab oder lagerte Hightech-Produktion aus. Noch heute entstehen pro neue Stelle in Vietnam zwei in der Schweiz. Dass Elca den Software-Industriestandort Schweiz ernst nimmt, zeigt sich auch in der Unterstützung von informatica08 und des Java-Entwicklerkongresses Jazoon.
 
2001 - mitten im New-Economy-Crash - wuchs der Umsatz von Elca, die unterdessen vollständig vom Management übernommen worden war, erstmals über 50 Millionen Franken. Die Mitarbeiterzahl stieg über 300. Selbst im IT-Schreckensjahr 2003 schrieb Elca übrigens schwarze Zahlen. Im gleichen Jahr konnten sich die Romands mit der SNCF einen prestigereichen Kunden für die Online-Ticketinglösung SecuTix angeln.
 
Der Sprung in das Geschäft mit replizierbarer Standard-Software
Überhaupt ist SecuTix eine interessante Geschichte. Denn mit der Ticketing-Lösung wagte ein Schweizer Software-Hersteller den Einstieg in das Geschäft mit replizierbarer, standardisierter Software. Vergangenen Oktober wurden gemäss Elca bereits über 10 Millionen Tickets über das System verkauft und generiert, zu den Kunden gehören das Paléo Festival, das Alpamare oder die Olma in der Schweiz, im Ausland, um nur einige Beispiele zu nennen, die Messen in Brüssel und Berlin.
 
Elca wird SecuTix so weit um- und ausbauen, dass es auch als als "Service" von kleinen Veranstaltern weltweit für Online-Ticketing benützt werden kann.
 
Heute beschäftigt Elca über 470 Mitarbeitende mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren. Das Entwicklungszentrum in Vietnam erreicht Niveau 3 des CMMI Modells (Capability Maturity Model Integration), einem international bedeutenden Standard, mit dem man die Reife der Entwicklungsprozesse von Software messen kann.
 
Happy Birthday! (Christoph Hugenschmidt)