10 Wege, Journalisten gegen sich aufzubringen

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht
 
Heute gabs Sushi zum Mittagessen, gestern hausgemachte Teigwaren und abends feinsten Thai-Food. Bezahlt hat jeweils der Gesprächspartner. So schön haben es wir Journis, und so teuer können wir zwar nicht unsere Haut aber immerhin unser Ohr verkaufen.
 
Man investiert also so einiges, hält sich Presseabteilungen, verschickt Mitteilungen, organisiert Pressereisli, stellt Spezialisten zur Verfügung (haben sie gemerkt, wie geschickt die Symantec-PR sich diese Woche in allen Medien platzierte?) und unterhält teure SpezialistInnen (vulgo "PR-Tante") zur Betreuung der werten Presse. Doch einige Firmen könnten sich den ganzen Aufwand gleich sparen - sie erreichen nämlich dank raffiniert-konsequenter falscher Herangehensweise das Gegenteil: Sie machen sich verhasst. Hier die 10 beliebtesten Methoden, sich bei der Presse unbeliebt zu machen:
 
1. Sofort drohen: Verschicken Sie eine Pressemitteilung und wenn dann ein Artikel erscheint, was ja eigentlich das Ziel hätte gewesen sein sollen, ein E-Mail mit folgendem Schluss: "Wir möchten Sie auffordern, die Veröffentlichung in der derzeitigen Form möglichst schnell zurück zu ziehen und behalten uns weitere Schritte vor." Liebe Frau D.K. Wir entschuldigen uns dafür, nicht nur Ihre ziemlich nichts sagende Mitteilung abgetippt, sondern noch selbst etwas gedacht und das Resultat derselben Tätigkeit auch noch unseren LeserInnen mitgeteilt zu haben. Wir werden es nie mehr tun, sondern versuchen nun herauszufinden, was zu ihrer doch reichlich seltsamen Reaktion geführt hat. Probleme?
 
2. Auskunfts-Schlitten fahren: Verschicken Sie eine Pressemitteilung, aus der man (vielleicht sind ja einfach wir zu bleede - schon möglich) nicht drauskommt. Geben Sie darin eine Person für Rückfragen an - möglichst von der PR-Agentur. Diese soll dem Journi dann eine weitere Person für Rückfragen angeben, diese soll dann schwierig zu erreichen sein und danach ziemlich sauer sagen, man sei überhaupt nicht zuständig und was diese blöde Anruferei überhaupt solle. Geben Sie dann eine weitere Person für Rückfragen an, die in den Ferien weilt, schon Feierabend hat oder permanent Sitzungen abhält.
 
3. Verrechenbar bleiben: Wenn Sie eine Agentur sind: Belagern Sie die Redaktion mit Terminvorschlägen für ein Treffen mit der wichtigen Person xy von der Firma z. Belagern Sie dann xy und sagen sie ihm, wie wichtig er eben sei und dass die Presse unbedingt mit ihm reden wolle. Machen Sie dann ein Meeting ab und wundern Sie sich, dass beide Seiten sauer sind, weil xy dachte, mit interessanten Fragen bombardiert zu werden, während der Journi glaubte, mit knackigen Aussagen nach Hause zu kommen. Hauptsache, sie konnten Stunden aufschreiben.
 
4. Was sind schon zwei Wochen?: Verschicken Sie eine Pressemitteilung und gehen Sie anschliessend sofort für zwei Wochen in die Ferien. Informieren Sie niemand sonst in der Firma und sorgen Sie vor allem dafür, dass niemand sonst Auskünfte geben darf.
 
5. Anrufen (I): Rufen Sie mehrmals pro Tag in den Redaktionen an und fragen Sie nach, ob Ihre Mitteilung auch angekommen sei.
 
6. Anrufen (II): Laden Sie Journalisten ein. Möglichst auf ein Datum, an dem 44 andere Medienanlässe stattfinden. Wenn Sie keine Anmeldung bekommen, rufen Sie an. Wenn der Journi dann sagt, er komme nicht (wenn er käme, hätte er sich angemeldet) dann fragen Sie ihn warum. Diskutieren Sie dann die Legitimität seiner Antwort. Bleiben Sie hartnäckig.
 
7. Anrufen (III): Das gleiche Vorgehen eignet sich auch bei umwerfend wichtigen Pressemitteilungen, deren Inhalt niemand aufgreifen will.
 
8. Anrufen (IV): Veranstalten Sie Medienanlässe an möglichst abgelegenen Orten zu möglichst unmöglichen Zeiten. Danach weiteres Vorgehen nach Punkt 6.
 
9. Anrufen (V): Informieren Sie sich nie nie nie über das Medium (Zielpublikum, Schwerpunkte), für das ihr Journi-Opfer schreibt. Rufen Sie einfach mal an. Möglichst den Chef.
 
10. "Dürfen wir den Text dann vor der Publikation dann noch lesen?": Verlangen Sie unbedingt ein "Gut zum Druck", nachdem Sie eine kurze Auskunft am Telefon gegeben haben. Beharren Sie eh darauf, alle Texte über Sie, Ihre Firma, Ihre Konkurrenz und überhaupt Gott und die Welt schönfärben und entschärfen zu dürfen. Schliesslich finden Sie kritische Medien toll und wichtig - vor allem in China. (Christoph Hugenschmidt)