Bund verärgert Open-Source-Szene mit Microsoft-Auftrag

Die Bundesverwaltung kauft Vista- und Office-Lizenzen von Microsoft für 42 Millionen Franken. Eine Ausschreibung gab es dafür nie. Die Open-Source-Gemeinde ist darüber gar nicht glücklich und schliesst den Gang ans Bundesverwaltungsgericht nicht aus.
 
Die 'Neue Zürcher Zeitung' hat heute aufgedeckt, dass der Bund Anfang Jahr Lizenzen von Microsoft für insgesamt 42 Millionen Franken gekauft hat – ohne den Auftrag auszuschreiben. Die Schweizer Open-Source-Szene reagierte empört.
 
Vista und Office 2007
Wie am vergangenen 1. Mai dem "Schweizerischen Handelsamtsblatt" zu entnehmen war, hat das zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) am vergangenen 23. Februar den Auftrag für die Verlängerung der Lizenzen für den standardisierten Arbeitsplatz Bund und darauf aufbauende Anwendungen (Clients und Server), Wartung und (Third Level)-Support an Microsoft (Irland) vergeben. Der Preis beträgt exakt 14 Millionen Franken pro Jahr (exklusive Mehrwertsteuer).
 
Über den standardisierten Arbeitsplatz ist an dieser Stelle bereits mehrmals berichtet worden. BBL-Sprecherin Katja Lunau bestätigt gegenüber inside-it.ch, dass der Vertrag mit Microsoft "unter anderem die Nutzung von Windows Vista und Office ermöglicht." Betreffend Mengen- und Preisangaben bestehe eine Geheimhaltungs-vereinbarung. Im Rahmen der Standardisierung der Büroautomation migriert der Bund derzeit 35'000 PC-Arbeitsplätze auf Vista und Office 2007.
 
Geld nach Irland statt "zumindest teilweise zu Schweizer Firmen"?
Nun stellt sich die Frage, ob der Bund den Auftrag nicht hätte ausschreiben müssen. Ein Auftrag kann ohne Ausschreibung vergeben werden, wenn etwa aufgrund der technischen Besonderheiten des Auftrages nur ein Anbieter in Frage kommt und es keine angemessene Alternative gibt. Open-Source-Vertreter verweisen nun natürlich darauf, dass quelloffene Software eine sehr gute Alternative sei. Im Bericht der 'NZZ' gibt Matthias Stürmer von der "Swiss Open Systems User Group /ch/open" zu bedenken, dass die Investitionen nun an den europäischen Sitz von Microsoft in Irland fliessen würden, statt "zumindest teilweise zu Schweizer Informatikfirmen, die im Bereich der OSS tätig sind."
 
Schaltet /ch/open Bundesverwaltungsgericht ein?
Das BBL stellt sich auf den Standpunkt, dass "für den Bedarf der Bundesverwaltung ein Wettbewerb zwischen den Anbietern aufgrund der Besonderheiten des Auftrages kurz- und mittelfristig ausgeschlossen" sei.
 
Auf dem neuen Arbeitsplatz der Bundesverwaltung seien zudem "diverse OSS-Tools im Einsatz, aber in Ergänzung und nicht als Ablösung der wesentlichen Microsoft-Software", wird BBL-Sprecherin Katja Lunau zitiert. Stürmer bezeichnet die Verwendung von Open-Source-Software in der Bundesverwaltung hingegen als "marginal". Er liess es ferner offen, ob die Open-Source-Gemeinde eine Beschwerde gegen die Vergabe beim Bundesverwaltungsgericht einreichen werde. (Maurizio Minetti)