Open-Source-Szene: "Wir sind alle geschockt"

Reaktionen auf den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts über die freihändige Vergabe an Microsoft.
 
Nach dem heutigen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts, nicht auf die Beschwerde der Open-Source-Unternehmen gegen die ausschreibungslose Auftragsvergabe des Bundes an Microsoft einzutreten, haben sich nun auch die beiden Parteien zu Wort gemeldet. Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), das als zentrale Beschaffungsstelle für die Bundesverwaltung am 1. Mai 2009 die Lizenzen und Support-Leistungen bei Microsoft beschafft hatte, sieht sich "in seinem rechtskonformen Vorgehen bestätigt und nimmt diesen Entscheid mit Befriedigung zur Kenntnis", wie es in einer Mitteilung heisst. Der Entscheid bedeute für die Informatik des Bundes die Weiterführung und Konsolidierung ihrer bisherigen Bemühungen für eine "angemessene, moderne, wirtschaftliche und effiziente Büroautomation".
 
Matthias Stürmer, Vertreter der Beschwerdeführer, ist hingegen verständlicherweise enttäuscht: "Wir sind alle recht geschockt", so Stürmer zu inside-it.ch. Stürmer spricht von einem "Worst-Case"-Szenario und weist darauf hin, dass die Situation nun noch schlimmer als vorher sei: "Faktisch bedeutet das jetzt, dass der Bund künftig noch mehr freihändige Vergaben durchführen kann", sagt Stürmer. "Es ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollten."
 
"Teure Geschichte"
Die Frage, ob man jetzt den Fall ans Bundesgericht weiterziehe, sei eigentlich klar zu beantworten, so Stürmer. Man müsse unbedingt, weil eine Verschlechterung des Status quo vorliege. Realistischerweise müsse man aber einsehen, dass der Gang ans oberste Gericht "eine teure Geschichte" sei. Insgesamt hätten sich die Kosten für das jetzt abgeschlossene Verfahren innerhalb eines Jahres vervierfacht – eine Viertelmillion Franken gaben die Open-Source-KMU aus.
 
Gemäss Stürmer will man nun aber trotzdem die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und erst dann entscheiden, ob es sich lohnt, diesen in der Schweiz einmaligen Fall ans Bundesgericht weiterzuziehen. (Maurizio Minetti)