Auch Skype schützt nicht (mehr) vor dem Lauschangriff

Schweizer Behörden äussern sich aus 'ermittlungstaktischen Gründen' nicht.
 
Der Internet-Telefondienst Skype galt dank seiner verschlüsselten Kommunikation während langer Zeit als sicher vor Abhörmassnahmen staatlicher Stellen. Der deutsche Rechtsanwalt Udo Vetter berichtet in seinem Blog nun aber davon, dass deutsche Justizbehörden Gespräche von Skype zu Skype heute genauso abhören können, wie Telefonate über die normalen Telefonleitungen. Dies habe ein Strafermittler in einer Zeugenaussage erklärt. Wie die Behörden die zwischen zwei Skype-Teilnehmern verschlüsselte Kommunikation abhören kann, wollte der Zeuge allerdings nicht verraten.

Offen bleibt damit, ob die Behörden im Besitz einer Technik sind, mit welcher der Skype-Datenverkehr entschlüsselt werden kann. Ende 2007 erklärte der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes noch, dass die Verschlüsselung von Skype ein "gravierendes Problem" sei. Kommentatoren in Vetters Blog gehen denn auch vielmehr davon aus, dass die Ermittler für das Abhören von Skype den sogenannten "Bundestrojaner", eine Art Trojaner der Justizbehörden, mit welchem ein Computer überwacht werden kann, einsetzen. Andererseits berichtete der 'Berliner Tagesspiegel' Ende Mai in einer vom deutschen Bundesinnenministerium bestätigten Meldung davon, dass der "Bundestrojaner" bisher noch nie eingesetzt wurde.
 
Auf die Anfrage von inside-it.ch, ob auch die Schweizer Ermittlungsbehörden den verschlüsselten Sprachverkehr von Skype abhören können, wollte sich das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) nicht näher äussern. "Der Dienst ÜPF kann aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben. Entsprechend können wir Ihre Anfrage nicht beantworten", teilt Philippe Piatti, Pressesprecher des EJPD, lediglich mit. Auch in der Schweiz wird der mögliche Einsatz eines "Staatstrojaners" derzeit gesetzlich vorbereitet. (Thomas Bruehwiler)