Huawei und ZTE kommen in Europa unter Beschuss

Während EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso die Handelsbeziehungen zwischen EU und China als entscheidend für die Weltwirtschaft würdigt, wehrt sich die europäische Union gleichzeitig gegen das rasche Export-Wachstum der chinesischen Telekom-Gerätehersteller. Kritisiert wird, laut dem 'Wall Street Journal' (WSJ), dass China einen grossen Teil der für den europäischen Markt bestimmten Waren subventioniert. Es sind insbesondere EU-Gewerkschaften und -Technikunternehmen, die konkret die Praxis von Huawei Technologies und ZTE Corp unter die Lupe genommen haben. Beide Firmen spielen seit rund fünf Jahren eine immer wichtigere Rolle als Exporteure. Sie könnten aufgrund von Steuervergünstigungen, Forschungsstipendien und billige Kredite von staatlichen Banken die europäischen Konkurrenten über günstiger Preise bei der Auftragsvergabe ausstechen, lauten die Vorwürfe. Peking bestreitet derartige Anschuldigungen, und schiesst zurück: Europa nutze die Vorwürfe als Deckmantel für den eigenen Protektionismus, wie es im WSJ heisst.
 
Anlass der aktuellen Diskussion ist das derzeitige Gipfeltreffen in Brüssel, an dem Chinas wachsende Export-Herrschaft im Mittelpunkt der Verhandlungen steht. Handelsexperten erwarten allerdings kaum, dass Bewegung in die derzeitige Situation kommen könnte.
 
Das gerade Huawei und ZTE in der Kritik stehen, geht auf eine Beschwerde der belgischen Firma Option zurück, die kürzlich bei der Europäische Kommission zumindest eine Prüfung von Zöllen auf die Einfuhr von Wireless-Modems aus China erreicht hatte. Bei Option ist der europäische Marktanteil seit 2006 von 70 auf fünf Prozent eingebrochen. Man sei mit brutaler Gewalt von der schnellen Entwicklung überrascht worden, sagt der Chef von Option gegenüber dem WSJ. Gewinner waren die Konkurrenten Huawei und ZTE. Beide Firmen könnten Geräte schon für weniger als 20 Euro verkaufen, während Option mindestens mehr als das doppelte verlangen müsse, um überhaupt noch etwas verdienen zu können. Option spielt inzwischen kaum mehr eine Rolle im Markt, zwei Drittel seiner einst 750 Arbeitskräfte haben ihre Stelle verloren.
 
Aber es geht im Export-Streit mit China keineswegs nur um einzelne Nischenprodukte. Immer öfter würden auch grosse europäische Netzwerkausrüster wie Ericsson, Nokia Siemens Networks und Alcatel Lucent Aufträge an Huawei und ZTE verlieren, schreibt das WSJ. Chinas Anteil am Netzwerk-Infrastruktur-Markt in Europa, dem Nahen Osten und Afrika betrage inzwischen 31 Prozent; vor zwei Jahren lag er noch bei 12 Prozent, wie EU-Gewerkschafter festhalten.
 
Gefordert wird nun, dass die EU endlich der rasant wachsenden chinesischen Durchdringung des Equipment-Marktes für Netzwerkanbieter einen Riegel schiebt. Zwar betont man bei der EU-Kommission, dass die Telekommunikation eine europäische Spitzentechnologie sei und deshalb besonders gepflegt werde. Doch die Gewerkschafter wollen sich nicht mehr mit solchen Phrasen abspeisen lassen. Es sei besorgniserregend, dass die Kommission nicht mehr für den Schutz eigener Arbeitsplätze in diesem Sektor unternehme, zitiert das WSJ Gewerkschaftskreise. (vri)