Korruptionsverdacht beim Bafu weitet sich aus

Bundesanwaltschaft ermittelt auch gegen einen Projektleiter, der gleichzeitig in zwei für das Bundesamt für Umwelt tätigen privaten Informatikfirmen arbeitete.
 
Nach der gestrigen Enthüllung einer angeblichen Korruptionsaffäre beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat die 'Berner Zeitung' heute weitere Missstände in der IT-Beschaffungspraxis des Bafu ans Licht gebracht. Demnach ermittelt die Bundesanwaltschaft nicht nur gegen den mittlerweile freigestellten Chef der amtsinternen Sektion Informatik, Logistik und Organisation, sondern auch gegen einen Projektleiter, der gleichzeitig in zwei für das Amt tätigen privaten Informatikfirmen arbeitete.
 
Wie die 'BZ' schreibt, soll der Sektionschef für die Vergabe von amtlichen Aufträgen vom ebenfalls unter Verdacht stehenden Mitarbeiter der Privatfirma "grosszügige Geschenke" entgegengenommen haben. Der besagte Mitarbeiter ist als Angestellter einer privaten Informatikfirma Projektleiter eines grossen Informatikprojektes im Bafu und arbeitet als Freelancer für eine zweite IT-Firma, die ebenfalls im Bafu engagiert ist. Beide privaten Firmen hatten in den letzten drei Jahren vom Bundesamt für Umwelt den Zuschlag für insgesamt 15 Aufträge mit einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Franken erhalten, wie das Bafu bestätigt.
 
Wie die 'BZ' weiter schreibt, äusserte Urs Maurer, Informatik-Chef beim Generalsekretariat des Departements für Umwelt und Verkehr (UVEK), bereits im Juli den Verdacht, dass etwas mit den Aufträgen an eine jener privaten Firmen faul sei. Konkret geht es um drei Verträge für Softwarelizenzen, für welche das Bafu nicht wie gesetzlich vorgeschrieben eine öffentliche Ausschreibung gemacht habe. Das Auftragsvolumen für die Lizenzen beträgt 300'000 Franken. Kassiert hat das Geld jene Privatfirma, bei welcher der unter Verdacht stehende externe Projektleiter als Freelancer arbeitete.
 
Christine Hofmann, stellvertretende Direktorin des Bafu, meint aber, dass in ihrem Amt mit dem Beschaffungswesen alles rechtens sei. Trotzdem verlangte das UVEK, dass die teuren Lizenzen nachträglich ausgeschrieben werden, worauf sich herausstellte, dass sie bereits bezahlt waren. Es soll sich dabei im Übrigen um Lizenzen für Business-Intelligence-Software handeln.
 
Geheimplan
Wie die 'BZ' schreibt, versuchte der externe Projektleiter die Amtsleitung zu überzeugen, die Sektion Informatik, Logistik und Organisation zu reorganisieren, weil sie "miserabel arbeite". Gemäss dem Plan sollte jener Mitarbeiter in Frühpension geschickt werden, der für die Vergabe von Aufträgen an Privatfirmen zuständig ist. Bei dem Mann handelt es sich gemäss 'BZ' um jenen Mitarbeiter in der Sektion, der sich mit Händen und Füssen gegen die gängige lasche Beschaffungspraxis wehrte. Gemäss Geheimplan sollte der nun freigestellte amtsinterne Sektionschef diese Aufgabe zusätzlich übernehmen. Der Plan sah offenbar auch vor, die gesamte Informatik des Amtes an eine private Firma auszulagern. (mim)