IT-Projekt der Ausgleichskassen verschlingt 250 Millionen

Software-Entwicklungs-Projekt "Vista" verzögert sich. Kassen müssen auf 30-jährige Programme zurückgreifen.
 
Die 'SonntagsZeitung' hat gestern über das "wohl ambitionierteste Informatikprojekt der Schweiz" geschrieben, welches allerdings völlig aus dem Ruder laufe. Dabei geht es um eine Software, die seit zehn Jahren von den meisten kantonalen Ausgleichskassen entwickelt wird. Das Projekt namens "Vista" dürfte eine Viertelmilliarde Franken verschlingen – ursprünglich sollte das Projekt 80 Millionen kosten.
 
Wie die 'SonntagsZeitung' schreibt, ist bislang aber nur eine Adressverwaltung lauffähig. Die Kassen müssen daher noch immer auf 30 Jahre alte Programme zurückgreifen, wenn sie AHV-Renten, IV-Anträge oder Kinderzulagen bearbeiten wollen. Die Ablösung der gesamten Altprogramme hätte vor zwei Jahren Tatsache werden sollen. Jetzt dauert es gemäss dem Bericht noch zwei weitere Jahre, bis das redimensionierte Projekt beendet ist.
 
IGS, IBM, T-Systems
Für das Projekt ist die St. Galler Informatikgesellschaft für Sozialversicherung (IGS) zuständig, welche den beteiligten Ausgleichskassen gehört. Der Entwicklungsauftrag wurde dem IT-Riesen IBM vergeben, der den Programmcode mehrheitlich in Indien schreiben liess. IBM wollte sich auf Anfrage von inside-it.ch nicht dazu äussern: "Die IBM kommentiert grundsätzlich keine geplanten, laufenden oder abgeschlossenen Projekte ihrer Kunden." Betriebspartner der IGS dürfte T-Systems sein, zumindest wurde dies vor einigen Jahren noch so kommuniziert. Heute wollte T-Systems dazu allerdings ebenfalls keine Stellung nehmen.
 
IGS-Geschäftsführer Ignaz Vinzens, der per 1. Dezember den Chefposten bei der SVA St. Gallen übernimmt, war heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gemäss 'SonntagsZeitung' beziffert er die Gesamtkosten auf 180 Millionen Franken, wobei er zugibt, dass dabei nicht alle Kosten durch die Verzögerung eingerechnet seien. Er bezeichnet das Projekt als "grossen Erfolg".
 
Im Übrigen ist noch nicht entschieden, wer auf Vinzens folgen wird. "Das Verfahren für die Besetzung der Direktionsstelle läuft noch. Es ist unser Ziel, dieses bis Ende Jahr abschliessen zu können", hiess es Anfang Oktober auf Anfrage. (Maurizio Minetti)