Microsoft zieht Software-Entwicklung aus Zürich ab

Harter Schlag für eZürich und die Schweizer Software-Industrie.
 
Ausgerechnet mitten im Ideenwettbewerb um die Zukunft von Zürich als Informatik-Standort kommt die Hiobsbotschaft aus Wallisellen: Microsoft verlagert die Software-Entwicklung im Bereich Unified Communications aus Zürich nach Redmond und schliesst das (auch von uns) viel gerühmte "Zurich Development Center".
 
Die reale Bedeutung des Rückschlags für Zürich und die Schweiz als Standort für die Software-Industrie ist gering, denn konkret werden nur 26 Entwicklerstellen an die US-Westküste verlegt. Microsoft bietet gemäss einer Mitteilung von heute allen 26 Programmierern Stellen in Redmond an oder hilft ihnen, innerhalb des Konzerns eine neue Stelle zu finden. Doch auch ohne die Hilfe durch Microsoft dürften die Entwickler aus dem "Zurich Development Center" wenig Probleme haben, eine neue Stelle zu finden. Mit modernen Technologien vertraute Programmierer sind zur Zeit in und um Zürich und in der ganzen Schweiz sehr gesucht.
 
Umso grösser ist aber die symbolische Bedeutung des Rückzugs von Microsoft vom Entwicklungsstandort Zürich. Denn sowohl die Stadt wie auch der Kanton Zürich - aber auch Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser - haben das "Zurich Development Center" immer wieder als Beispiel für die Attraktivität des IT-Standorts Zürich erwähnt. Und noch 2008 sprach man davon, man wolle das Zürcher Entwicklungszentrum auf 200 Stellen ausbauen.
 
Das "Zurich Development Center" entstand aus der Übernahme des Voice-over-IP-Spezialisten Media-Streams durch Microsoft vor genau fünf Jahren, die wir damals als grossen Erfolg für die Schweizer Software-Szene einschätzten. Dies muss man nun relativieren, denn was nützt es, wenn IT-Riesen Schweizer Softwarefirmen übernehmen, dann aber die Entwicklung, das Herz der Branche, nach USA oder Indien verlagern? (Christoph Hugenschmidt)