Green-RZ in Lupfig zum Einzug bereit

Erste Teile des riesigen neuen Rechenzentrums von Green in Lupfig können von den Kunden bezogen werden. Green-Chef Grüter: "Viele haben nicht geglaubt, dass wir es schaffen."
 
Unter Beisein von viel Prominenz, so etwa FDP-Nationalrätin Christine Egerszegi und Regierungsrat Urs Hofmann und 800 weiteren Gästen wird Fussballtrainer Otto Hitzfeld heute als "green.ch-Botschafter" das obligate Band zur Eröffnung des neuen Rechenzentrums in Lupfig durchschneiden.
 
Als erster Kunde wird ab Freitag Hewlett-Packard "einziehen". HP wird ungefähr 300 Quadratmeter der netto 3'300 verfügbaren Rechenzentrumsfläche belegen. In Betrieb geht das Rechenzentrum aber nicht diesen Freitag, sondern ungefähr zwei Monate später, wenn die ersten Kunden, neben HP ist auch noch Axpo als Kunde bekannt, ihre Infrastrukturen (Server, Storage, Netzwerkkomponenten) aufgebaut haben.
 
50 Millionen und es werden noch mehr
Für das nun in rasender Eile hochgezogene fensterlose Datencenter "Modul A" hat man gemäss green.ch-Chef Franz Grüter (Foto Startseite) ungefähr 50 Millionen Franken ausgegeben. Später sollen ein Modul B und allenfalls auch ein Modul C mit je weiteren 3'300 Quadratmetern Nutzfläche sowie ein Bürohaus dazu kommen, wofür green.ch weitere 50 Millionen Franken investieren will. Der erste der drei riesigen, fensterlosen 3 Stockwerke hohen Betonklötze verschlang weiteaus mehr Geld als die geplante Erweiterungen, da gewisse Investitionen, etwa ein Dieselöltank, der Raum für die Dieselgeneratoren oder die Infrastruktur für die Eingangskontrolle und die Überwachung für alle Module bereits jetzt getätigt wurden.
 
Bis heute konnte Green Kunden für etwa einen Drittel der jetzt gebauten 3'300 Quadratmeter gewinnen. Bis Ende Jahr will Grüter zwei Drittel der Fläche vermieten, so dass nächstes Jahr der Spatenstich für Modul B erfolgen kann. Doch eigentlich sollte man nicht von vermieteten Quadratmetern schreiben, sondern über vermieteten Strom, denn dieser ist es, der die Kunden vor allem anzieht. In Lupfig werden pro Rack (ca. drei Quadtratmeter) standardmässig 4,5 kW angeboten. Maximal ist eine Leistungsaufnahme von 6 kW pro Rack möglich. Das neue Monster-Rechenzentrum wird aus zwei verschiedenen Unterwerken heraus mit zwei Hochspannungsleitungen mit je 20 Megawatt versorgt.
 
"Schlaflose Nächte"
Er habe "schlaflose Nächte" hinter sich, sagte Grüter an einer Medienveranstaltung heute Morgen, denn viele hätten nicht geglaubt, dass das Rechenzentrum wie angekündigt am 1. April bezugsbereit sei.
 
Grüter sagte, "sein" Rechenzentrum in Lupfig, das unter anderem mit Hypothekarkrediten von CS finanziert worden ist, sei das erste, auf der "grünen Wiese" gebaute Rechenzentrum in der Schweiz, das nun in Betrieb gehe. Diese Aussage scheint uns etwas keck, denn der erste Grosskunde des deutschen RZ-Spezialisten e-shelter, der in Rümlang ein noch grösseres RZ hochzieht, hat mit dem Innenausbau seiner Fläche bereits im Februar begonnen.
 
Sicher ist, dass man in Lupfig mit grösster Eile gebaut hat. Zuletzt gab es bis zu 250 Leute auf der Baustelle und man musste exakte Zufahrtspläne für die Lieferanten erstellen, erzählte Grüter.
 
PUE von 1,4
Wie green.ch-CTO Aldo Britschgi sagt, wird das neue Rechenzentrum einen PUE-Faktor (Power Usage Effectiveness) von 1,4 erreichen. Dies bedeutet, dass zum Stromverbrauch seitens der Server der Kunden nur noch 40 Prozent davon zusätzlich für Kühlung und andere RZ-Infrastrukturen verbraucht werden. Mehrere Jahre alte Rechenzentren, wie sie heute in Betrieb sind, haben eine PUE-Faktor von 2 oder mehr, sagte Britgschi.
 
Der vergleichbar tiefe, aber nicht rekordnahe PUE wird durch die heute übliche Nutzung von Aussenluft bei kühlen Aussentemperaturen und durch die Beschränkung der Kühlung auf gschlossene "kalte Gänge" erreicht. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Foto: "Zu vermieten". Werbetafel für das Green-Rechenzentrum in Lupfig.)