Schweizer Verlage stoppen E-Reader-Zeitungsprojekt

Technische Plattform deutlich komplexer als erwartet.
 
Das Ende 2009 gross angekündigte Projekt von Swisscom, zusammen mit Tamedia, Ringer, NZZ und Orell Füssli einen eigenen E-Reader zu lancieren, ist bereits wieder Schnee von gestern. Wie die 'Handelszeitung' heute berichtet, sei der Pilotversuch im letzten Sommer mit 150 Lesern zwar sehr erfolgreich gewesen. "Dennoch haben sich die Partner geeinigt, das Projekt vorerst nicht weiterzuverfolgen", heisst es gemäss der Zeitung in einem internen Statement. Grund dafür seien die technischen Anforderungen, die deutlich komplexer seien, als erwartet.
 
Das Projekt "Codex", wie der Online-Kiosk intern genannt wurde, hätte Anfang dieses Jahr starten sollen und auch ein Chef sei bereits bestimmt gewesen, heisst es weiter. Während die Verlage ihre Zeitungen und Zeitungen über die Plattform vertrieben hätten, wollte Orell Füssli deutsch- und englischsprachige Bücher elektronisch vertreiben. Swisscom wäre als Zahlungsdienstleister aufgetreten.
 
Gegenüber der Handelszeitung hätten mehrere ungenannte Quellen die zu hohen Investitionen als Mitgrund für das Scheitern von Codex genannt. Die Shop-Lösung hätte viel mehr gekostet als budgetiert und die Verleger hätten vor allem die jährlich wiederkehrenden Investitionen gescheut.
 
Nicht von der Hand zu weisen sind auch Spekulationen, wonach Apple zumindest eine Mitschuld am frühen Tod von Codex haben könnte. So lancierte der US-Konzern im Februar dieses Jahres die sogenannten In-App-Abonnemente, mit welchem Verleger auch Abonnemente für Inhalte auf iPhone, iPad und Co. anbieten können. Allerdings nicht zu wirklich vorteilhaften Konditionen für die Verleger. Zwar müssen die Abonnemente nicht zwingend via Apple abgeschlossen werden - es steht den Verlagen nämlich frei, die Inhalte direkt an die Leser zu verkaufen. Allerdings verlangt Apple, dass auch der Kauf innerhalb der App zwingend möglich sein muss. Zudem darf der In-App-Kaufpreis nicht teurer sein, als über den externen Kanal. Die Verleger dürfen ausserdem keine Links in ihren Apps veröffentlichen, die es dem Kunden erlauben würden, Abos ausserhalb der App zu kaufen.
 
Gut vorstellbar deshalb, dass sich die Verleger nicht mit dem dominanten Hardwarehersteller aus dem amerikanischen Cupertino anlegen wollten, zumal der Absatzkanal via iPhone und iPad nach wie vor einer der wichtigsten Märkte im elektronischen Bereich darstellt. (bt)