Avaloq kauft deutschen Kernbankensoftware-Anbieter

Für einen ungenannten Betrag übernimmt Avaloq den deutschen Softwarehersteller Höll Computer & Software mit 30 Angestellten.
 
Fast ein Jahr nachdem Avaloq aus wirtschaftlichen Gründen 120 Mitarbeitende entlassen musste, investiert der Zürcher Hersteller von Bankensoftware nun in eine Übernahme in Deutschland. Avaloq hat sämtliche Aktien des deutschen Softwareherstellers Höll Computer & Software mit Sitz in Rüsselsheim übernommen. Der Kaufpreis für das 30 Mitarbeitende zählende Unternehmen wurde nicht genannt. Bislang gehörte das Unternehmen zu 100 Prozent dem Gründer Roland Höll und seiner Frau. Roland Höll, der das Unternehmen 1983 gegründet hatte, werde seine Tätigkeit als Geschäftsführer weiterführen, heisst es in der Mitteilung von Avaloq.
 
Deutscher Markt im Visier
Grundsätzlich ist die Übernahme - trotz jüngstem Stellenabbau - nicht überraschend, denn Avaloq hat schon mehrmals deutlich gemacht, dass man strategisch im Ausland wachsen wolle. In einem Statement gegenüber inside-it.ch schreibt Avaloq: "Wir haben bereits beim Stellenabbau im Frühling kommuniziert, dass es eine Jobverlagerung ins Ausland geben wird aufgrund der Wachstumsstrategie in die wichtigsten Finanzzentren weltweit. Mit der Akquisition von Höll haben wir Kompetenz und Fachwissen in einem der wichtigsten Finanzzentren gewonnen."
 
Höll entwickelt nicht etwa Umsysteme, sondern eine Kernbankensoftware namens Itrexs für Private Banking, Wealth Management und Asset Management. Eine Integration von Softwareteilen in das Avaloq Banking System werde zurzeit geprüft, heisst es bei Avaloq auf Anfrage. Dem Zürcher Softwarehersteller scheint es aber weniger um eine technologische Erweiterung zu gehen. Vielmehr steht der deutsche Bankenmarkt im Fokus. Höll hat in der Tat einige interessante Kunden im Portfolio, wie etwa die Börse Stuttgart, Julius Bär in Frankfurt (!), Bank Vontobel in München oder etwa auch die V-Bank.
 
Höll Computer & Software soll vollständig in die Avaloq-Gruppe integriert und unter dem Namen Avaloq Software (Deutschland) GmbH geführt werden. Alle 30 Mitarbeitenden werden von Avaloq übernommen und in die Avaloq-Produktentwicklung, unter Aufsicht von Klaus Rausch, eingegliedert. Am bestehenden Geschäftssitz im deutschen Rüsselsheim werde festgehalten, so Avaloq in der Mitteilung. (Maurizio Minetti)