Gartners strategische Technologietrends 2013

Die Schlacht um die mobile Welt und andere Trends in der Technologiewelt, die CIOs 2013 beobachten sollten.
 
Zu den Tätigkeiten eines CIOs sollte es auch gehören, allgemeine technologische Trends in der IT-Welt zu beobachten, welche den Alltag in IT-Abteilungen mittelfristig stark verändern könnten. Als Anhaltspunkt veröffentlicht der Marktforscher Gartner jeweils im Oktober eine Liste der zehn wichtigsten Trends, die IT-Strategen im kommenden Jahr unbedingt im Auge behalten sollten.
 
Die Schlacht am heissen (mobile) Buffet
Smartphones und Tablets sind gegenwärtig der wachstumsträchtigste Markt für Hardware- und auch viele Softwarehersteller. Trends wie Mobilität und "Bring-Your-Own-Device" machen es auch für andere Unternehmen wichtig, welche Betriebssysteme und welche Arten von Endgeräten sich durchsetzen und von den Usern akzeptiert werden. Bis nächstes Jahr, so sagt Gartner voraus, werden Smartphones PCs als das am meisten gebrauchte Internet-Zugangsgerät abgelöst haben. 2015 sollen etwa 80 Prozent aller verkauften Handys Smartphones sein. Tablets dürften bis dann etwa die Hälfte der Absatzzahlen von Laptops erreichen.
 
Windows 8 ist Microsofts "grosse Wette", so Gartner, um den mobilen Markt zu erobern. Aber einen schnellen Siegeszug erwartet der Marktforscher nicht. Bis 2015, so die Prognose, werde Windows 8 sowohl bei Tablets als auch bei Smartphones nur das dritthäufigste Betriebssystem werden. Bei Smartphones erwartet Gartner einen Marktanteil von rund 20 Prozent, etwas weniger als iOS und deutlich weniger als Android.
 
Für Unternehmen, so Gartner, dürfte es damit noch schwieriger werden, Tablet- und PC-Hardware zu standardisieren. Angestellten den Gebrauch der liebgewonnen iPads oder Windows 8-Geräte zu verbieten, dürfte nicht gut ankommen. Damit steigt auch die Zahl der Gerätearten und Betriebssysteme, die unterstützt werden sollten.
 
Mobile Applikationen und HTML5
Auch wer Apps baut, wird sich damit abfinden müssen, dass es noch über lange Zeit diverse wichtige Betriebssysteme geben wird, für die man entwickeln muss. HTML5 wäre eine Basis für Web-Apps, die auf allen Betriebssystemen laufen können. Wenn HTML5 funktional besser wird, so Gartner, dürften auch vermehrt darauf basierende Apps gebaut werden. Die "nativen" Apps für nur ein Betriebssystem werden aber weiterhin für User attraktiver sein und mehr Funktionen bieten können und deshalb nicht verschwinden.
 
Personal Cloud
Die "persönliche Wolke" wird für Individuen nach und nach den PC als "Zentrum des digitalen Lebens" ersetzen. In der persönlichen Cloud werden alle Daten gespeichert, und sie wird das Eingangsportal, über das man auf seine bevorzugten Kommunikationsdienste und andere Services zugreift, egal von welchem Gerät aus. In dieser Welt, erklärt Gartner, wird sich keine absolut dominante Technologie oder Plattform und damit auch kein marktbeherrschender Anbieter herauskristallisieren. "Verwaltete Vielfalt" und mobile Device Management wird damit für Unternehmen zum Muss.
 
Enterprise App Stores
Angestellten ihre persönliche Software über App-Stores zu Verfügung zu stellen, könnte für Unternehmen vieles vereinfachen. Die Mitarbeitenden holen sich ihre "Apps" im internen Online-Laden im Selbstbedienungsprinzip und dieser automatisiert das Lizenzmanagement und viele weitere Verwaltungsaufgaben. Leider, so Gartner, werden einige Anbieter aber versuchen, ihr jeweiliges Gärtchen zu schützen, indem sie ihre Stores auf bestimmte Endgeräte oder Arten von Apps beschränken. Das bedeutet, dass auch viele Unternehmen mehrere Stores werden unterhalten müssen, mit jeweils eigenen Bezahlprozessen und Lizenzbedingungen.
 
Das Internet der Dinge
Immer mehr "Dinge" werden mit Sensoren und kleinen Computern ausgestattet, um Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Immer mehr dieser Dinge werden auch mit dem Internet verbunden. So können sie mit anderen Maschinen kommunizieren, um ihre Daten abzuliefern und ihrerseits Anweisungen zu erhalten. Für Unternehmen gibt dies eine Vielzahl von aufregenden Möglichkeiten, um "smarte" neue Produkte zu entwickeln. Die Technologie birgt aber auch noch viele grosse Herausforderungen für die Unternehmens-IT, da noch wenig standardisiert ist. Das gilt nicht nur für die Basistechnologie: Auch wie man solche Produkte enwickeln kann, von der Ideenfindung bis zur konkreten Hard- und Softwareentwicklung, ist vielen Unternehmen nicht klar.
 
Hybride IT und Cloud Computing
Das ein Teil der IT-Services aus seiner internen oder externen "Cloud" bezogen wird, ist heute bereits in den meisten Unternehmen Realität. Die Services sind aber oft noch komplex und sehr verschiedenartig. Anwender brauchen daher Unterstützung, um Cloud-Ressourcen vermehrt und besser zu nützen. IT-Abteilungen, so Gartner, könnten dabei vermehrt eine Rolle als interne Cloud-Service-"Zwischenhändler" wahrnehmen, die die Services erklären und den "Vertrieb" an Mitarbeiter oder Business-Partner optimieren. Damit hätten IT-Abteilungen auch eine Möglichkeit, um ihre Bedeutung und ihren Einfluss auch im Cloud-Zeitalter aufrecht zu erhalten.
 
Big Data als Strategie
Im Bereich Big Data liefen bisher vor allem einzelne Projekte. In Zukunft dürfte das Thema aber die gesamte IT-Infrastruktur von Unternehmen beeinflussen. Mit der grossen Menge und Vielfalt der Daten umzugehen und die Komplexität in den Griff zu bekommen erfordert neue Herangehensweisen. Dabei realisieren Unternehmen heute vermehrt, so Gartner, dass der alte Traum, alle Daten in einem einzigen unternehmensweiten Data Warehouse zusammenzuführen, nicht funktioniert. Stattdessen würden multiple Systeme für Content Management, Data Warehousing, "Datenmärkte" und andere Spezialaufgaben eingesetzt. Diese multiplen Systeme würden aber über Datenservices und Metadaten so verknüpft, dass trotzdem ein übergreifendes "logisches" Data Warehouse enstehe.
 
Analysen in Echtzeit und "vor Ort"
Der technische Fortschritt ermöglicht es, Datenanalysen und Simutationen immer schneller und einfacher durchzuführen. Gleichzeitig kann man über mobile Clients jederzeit via die "Cloud" auf Analysesysteme zugriefen. Dies ermöglicht es laut Gartner auch immer mehr, die Resultate von Analysen genau dann und dort zur Verfügung zu stellen, wenn sie für eine Entscheidung gebraucht werden.
 
In-Memory-Computing
Eine der Grundlagentechnologien, welche die gerade genannten Echtzeitanalysen ermöglicht, ist In-Memory-Computing. Gemäss Gartner werden immer mehr Hersteller in den nächsten zwei Jahren In-Memory-Lösungen anbieten. Die Technologie, die noch vor kurzem kaum angewendet wurde, könnte damit schon bald zum Alltag in Unternehmen werden. (Hans Jörg Maron)