EDA und EFD schreiben GEVER neu aus

Der Bund erklärt das "Programm GEVER" für abgeschlossen. Überdepartementale Prozesse werden nun elektronisch abgewickelt. Weiterhin keine einheitliche Software für die Elektronisierung der Bundesverwaltung.
 
Das eidgenössiche Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Finanzdepartement werden nächstes Jahr die Beschaffung einer neuen GEVER-Lösung gemäss WTO ausschreiben. Dies geht aus dem 25-seitigen "Rapport final" zum Programm GEVER, den der Bund heute veröffentlicht hat, hervor.
 
GEVER steht für Geschäftsverwaltung. Gemeint ist die Digitialisierung der Bundesverwaltung. Prozesse innerhalb und zwischen Departementen sollen ohne Medienbruch und ohne Papier elektronisch abgewickelt werden.
 
"vollständig oder teilweise"
Wie der Bundesrat heute mitteilt, wird das "Programm GEVER Bund" per Ende Jahr erfolgreich abgeschlossen. Der Bundesrat hatte am 23. Januar 2008 die Departemente beauftragt, die Geschäftsverwaltung auf elektronische Dossiers umzustellen. Die Departemente hätten GEVER gemäss Bundesstandard "vollständig oder teilweise eingeführt oder die organisatorischen Voraussetzungen zur Einführung einer GEVER-Standardlösung geschaffen", heisst es in der Mitteilung.
 
Am wichtigsten dürfte das Teilprojekt ÜDP (überdepartementale Prozesse) sein. Seit Ende März 2012 werden die Geschäfte des Bundesrats und des Parlaments von allen Departementen und der Bundeskanzlei ausschliesslich elektronisch abgewickelt und am 9. Mai wurde die Bundesratssitzung zum ersten Mal vollständig elektronisch vorbereitet.
 
GEVER in der ganzen Verwaltung erst bis 2015
So "abgeschlossen" wie der Bundesrat das Programm GEVER allerdings darstellt, ist es nicht. Denn das "Aussenministerium" (EDA), in dem heute erst teilweise die GEVER-Lösung Fabasoft benützt wird, wird eine neue Lösung für die Geschäftsverwaltung und / oder ein System für das Dokumentenmanagement nach WTO neu ausschreiben.
 
Das Finanzdepartement wird sich dieser Ausschreibung anschliessen, heisst es im französischsprachigen Rapport von "Madame GEVER", Nathalie Falcone. Damit wird das Finanzdepartement den Schlussstrich unter das GEVER-Abenteuer des Bundsamts für Informatik (BIT) ziehen. Das BIT musste bekanntlich vor gut einem Jahr das Projekt GEVER Office abrupt abbrechen. Das BIT hatte versucht, zusammen mit Microsoft eine GEVER-Lösung auf Basis von Sharepoint zu entwickeln und dafür fast acht Millionen Franken ausgegeben.
 
VBS soll bis 2015 Standard einführen - oder auch nicht
In Ueli Maurers Verteidigungsdepartement VBS gibt es heute drei verschiedene Lösungen für die elektronische Geschäftsverwaltung. Dies weil Geheimdienste, Rüstungsbetriebe und die riesige Logistik der Armee andere Bedürfnisse haben als die restliche Bundesverwaltung. Im VBS werden deshalb Fabasoft 8.0 sowie die beiden Schweizer Lösungen iGEKO (ABF Informatik) und i-Engine (the i-engineers) eingesetzt. Alle VBS-Abteilungen sollen bis 2015 eine Standard-GEVER-Lösung einführen, heisst es im Bericht. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass die VBS-Departemente wieder eine Ausnahmebewilligung für ihre Nicht-Standard-GEVER beantragen würden, so der Bericht. (Christoph Hugenschmidt)