Schweizer Versicherungen finden Mobility (irgendwie auch) wichtig

Eine Untersuchung von CSC zeigt, dass Schweizer Versicherungen sich zwar bewusst sind, dass der rasante Siegeszug von mobilen Geräte aller Art ihr Geschäft verändern wird. Doch eine Strategie haben die meisten nicht.
 
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Nicht nur ist die IT-Zukunft mobil, sondern die Art und Weise, wie und wann Menschen kommunizieren, einkaufen, Informationen austauschen, mit Geld umgehen und arbeiten, wird sich weiterhin radikal verändern. Wer heute mit Smartphone, Kindle und Tablet aufwächst, für den wird es in Zukunft selbstverständlich sein, ad-hoc und nach Bedarf Versicherungen abzuschliessen oder etwa einen Schaden mit dem Smartphone zu dokumentieren und über Mobilfunk zu melden. Man muss nicht nur überdenken, wie künftig mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden kommuniziert wird, sondern in bestimmten Branchen werden bestehende Geschäftsmodelle hinterfragt werden müssen. Eine dieser Branchen ist die Assekuranz. Doch haben die Schweizer Versicherungen eine Strategie in Sachen Mobility? Kennt man das Potential von Mobility und werden die Zusammenhänge gesehen?
 
Ein Top-Thema, aber...
Der IT-Berater und -Outsourcer CSC hat die Geschäftsleitungsmitglieder und Manager der zweiten Führungsstufe aller zehn grössten Versicherungen der Schweiz zum Thema Mobility befragt. CSC-Consulting-Chef Mathew Turnbull hat sich die Zeit genommen, uns die Resulte der Untersuchung zu erklären.
 
Der Trend hin zu Mobility ist erkannt und unbestritten. 75 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder finden Mobility ein "wichtiges" oder sogar ein "Top Thema". Wenn es den eigenen Geschäftsbereich betrifft (die Mehrheit der Befragten sind nicht CIOs), finden sogar 92 Prozent der MangerInnen Mobility wichtig oder sehr wichtig.
 
Entsprechend wird nicht wenig in Online-Kanäle investiert. Zwei Drittel der grossen Versicherungen wollen in den nächsten drei Jahren bis zu 10 Millionen Franken in den Online-Verkauf und in mobile Anwendungen für Administration und interne Prozesse investieren.
 
Doch konkret umgesetzt worden ist noch sehr wenig. So haben zwei Drittel der Top-10-Versicherer der Schweiz Basisdienste wie E-Mail und Kalender für mobile Geräte umgesetzt. Fragt man nach Kernprozessen der Versicherung, so sind es schon viel weniger. Nur 14 Prozent der Gesprächspartner sagten, "einige Kernprozesse aus ihrem Geschäftsbereich" seien für Mobility umgesetzt. Und noch kein einziger Versicherer hat Kernprozesse in mehreren Bereichen für Mobility umgesetzt.
 
Noch keine übergreifende Strategie
Die Untersuchung von CSC zeigt deutlich, dass den Schweizer Versicherungen zwar klar ist, wie wichtig Mobility für ihr Geschäft in Zukunft ist. Doch eine bereits klar ausgearbeitete Strategie hat noch keine einzige Versicherung. Ein Drittel der Top-10-Versicherer arbeitet an einer Strategie, 42 Prozent erst Ansätze dazu und immerhin ein Viertel hat gar keine Strategie (siehe Grafik oben).
 
Warum das so ist, wird bei der Frage nach den Risiken von Mobility-Projekten klar. Die befragten ManagerInnen nennen "unklarer Nutzen" (50 %), "unreife Technologie" (58 %) und "unzureichendes Know-how" (58 %) als Risiken.
 
Es ist wohl keine unzulässige Spekulation, wenn wir vermuten, dass die rasend schnelle Entwicklung von Technologie und Markt im Mobilfunk selbst Grossfirmen wie die Schweizer Versicherungen zur Zeit schlicht überfordert. (Christoph Hugenschmidt)