Datenbankmigration missglückt - Migrationsämter in der Bredouille

Die zentrale Migrationsdatenbank ZEMIS funktionierte während fast vier Tagen nicht oder nur schlecht. Kantonale Migrationsämter und andere Behörden ausser Gefecht gesetzt.
 
Zwischen Dienstag und heute, Freitag, Mittag funktionierte offenbar die zentrale Migrationsdatenbank ZEMIS des Bundesamts für Migration (BFM) nicht. ZEMIS enthält über neun Millionen Datensätze und wird von ungefähr 30'000 Usern bei kantonalen Migrationsämtern, im BFM aber auch von Arbeitsämtern benützt. ZEMIS wird zum Beispiel von Migrationsämtern benötigt, um Ausweise auszustellen. Ein User einer kantonalen Behörde sagte uns, ZEMIS sei am Dienstag und Mittwoch überhaupt nicht und am Donnerstag nur sehr beschränkt verfügbar gewesen. Die Migrationsämter hätten beispielsweise keine Rechnungen oder neue Ausweise ausstellen können.
 
ZEMIS wurde 2008 als Ersatz für zwei verschiedene Datenbanken (ZAR-3 und AUPER2) eingeführt. Nun war offenbar ein Releasewechsel vorgesehen, der allem Anschein nach gründlich missglückt ist. BFM-Sprecherin Sibylle Siegwart bestätigte heute Morgen gegenüber inside-it.ch, dass es "seit zwei Tagen" Probleme mit ZEMIS gibt. "Es ist richtig, die Situation ist nicht stabil," so Siegwart.
 
Wer die Situation an den Schaltern der Migrations- und Arbeitsämter kennt, wo es für die Betroffenen sowieso oft zu langen Wartefristen kommt, kann sich vorstellen, wie schwierig die Situation für Beamte und ihre Kunden ist.
 
Anhaltende Probleme (ergänzt)
Die Problem mit ZEMIS scheinen auch nach Freitag-Mittag noch anzuhalten. So schreibt BFM-Sprecherin Siegwart in einer E-Mail: "Am vergangenen Wochenende wurde ein grosser ZEMIS-Release eingeführt. Im Rahmen des Releases haben sich seit Dienstag Performanceprobleme ergeben, die zu mehreren temporären Einschränkungen der Systemverfügbarkeit geführt haben. Davon betroffen sind das Bundesamt für Migration, weitere Bundesämter sowie verschiedene kantonale Stellen.

Die Ursachen liegen im Zusammenspiel der neuen Software mit der bestehenden Infrastruktur. Bis anhin konnte die Ursache noch nicht abschliessend geklärt werden. Sowohl Soft- und Hardwarelieferanten als auch die betroffenen Bundesstellen arbeiten mit Hochdruck an der Problemlösung. Mehrere technische und organisatorische Massnahmen werden geprüft und umgesetzt, um die Systemstabilität gewährleisten zu können." (Christoph Hugenschmidt)
 
(Der letzte Abschnitt wurde am Freitag, ca. 18 Uhr ergänzt.)