Kriegen Roboter ihr eigenes Web?

Über "RoboEarth" sollen Roboter kommunizieren und Erfahrungen austauschen können.
 
Wissenschaftler der Technischen Universität Eindhoven haben eigenen Angaben zufolge ein "World Wide Web für Roboter" entwickelt. Hinter dem aufwendigen Projekt, das von der Europäischen Union gefördert und in Kooperation mit vier weiteren europäischen Universitäten umgesetzt wird, steckt der Versuch, eine Netzwerkinfrastruktur zu schaffen, über die einzelne Roboter mithilfe von Cloud-basiertem Datenmanagement gegenseitig Informationen austauschen können.
 
Auf diese Art und Weise sollen die Roboter gemeinsam verschiedene Aufgaben erledigen. Eine erste öffentliche Demonstration von "RoboEarth" - so der Name des neuartigen kollaborativen Systems - soll heute in Eindhoven über die Bühne gehen.
 
World-Wide-Web-artige Datenbank
"In seinem Kern ist RoboEarth ein World Wide Web für Roboter, ein gigantisches Netzwerk und ein Aufbewahrungsort für Daten, wo Roboter Informationen miteinander teilen und voneinander etwas über ihr Verhalten und ihre Umgebung lernen können", so die Erklärung auf der offiziellen Projekt-Webseite.
 
Ziel des ambitionierten Unterfangens sei es, Robotern zu ermöglichen, von den Erfahrungen anderer Roboter lernen zu können. "Das würde den Weg für rasante Fortschritte im Bereich der Wahrnehmung und des Verhaltens von Maschinen ebnen und letztendlich auch deutlich ausgeklügeltere Mensch-Maschinen-Interaktionen ermöglichen", so die Überzeugung der beteiligten Forscher.
 
"Zentrales Element von RoboEarth ist seine Cloud-Robotics-Infrastruktur", erläutern die Wissenschaftler. Diese enthalte alles, das nötig sei, um eine Datenübertragung von Robotern in die Cloud und umgekehrt zu schaffen. "Das ist eine World-Wide-Web-artige Datenbank, in der Wissen in einem von Maschinen lesbaren Format gespeichert werden kann, das sowohl von Menschen als auch Robotern generiert worden ist", ergänzen die Entwickler. Als Beispiel für derartige Daten verweisen sie etwa auf Softwarekomponenten, Karten für die Navigation, verschiedene relevante Informationen für bestimmte Aufgaben oder Bilder und visuelle Modelle zur Erkennung von spezifischen Objekten.
 
Austausch statt Neuprogrammierung
Wie genau das in der Praxis aussehen soll, können Interessierte bei einer öffentlichen Demonstration auf dem Gelände der TU Eindhoven sehen. Dort wurde ein Krankenhauszimmer eingerichtet, in dem sich vier Roboter um einen Patienten kümmern und dabei effizient zusamenarbeiten sollen. Hierfür müssen sie eine Reihe von unterschiedlichen Aufgaben erledigen. Ein Robotergehilfe soll eine Karte der Räumlichkeiten erstellen und in das Cloud-Netzwerk laden, so dass auch seine Kollegen sich dort zurechtfinden. Ein Anderer muss wiederum Getränke an den Patienten servieren.
 
Die Idee, dass sich nun auch Roboter über ein eigenes Netzwerk austauschen können sollen, kommt nicht von ungefähr. "Das Problem im Moment ist, dass diese Maschinen meist nur für einen ganz speziellen Zweck entwickelt werden. Die täglichen Veränderungen unserer Umwelt machen aber viele der vorprogrammierten Funktionen unbrauchbar. Über RoboEarth können Roboter Informationen zu einer Aufgabe wie dem Öffnen einer Pillendose miteinander teilen. Dadurch können dann auch andere Roboter diese Aufgabe erledigen ohne hierfür wieder neu programmiert werden zu müssen", bringt Projektleiter Rene van de Molengraft den wesentlichen Vorteil des Systems auf den Punkt. (pte/hjm)
 
(Illustration: RoboEarth)