Schweizer PC-Markt: Die Grossen gewinnen, die Kleinen leiden

Der PC schlägt zurück: Nach vielen rückläufigen Quartalen wächst der Schweizer Markt wieder kräftig.
 
Das Wachstum im Schweizer PC-Business hält an. Wie im zweiten Quartal wuchs das Geschäft mit Computern nun auch im dritten Quartal im zweistelligen Bereich. Dies zeigen die neusten Zahlen von IDC, die inside-it.ch vorliegen. Von Juli bis September wurden hierzulande fast 400'000 Rechner an die Händler ausgeliefert. Das entspricht einem Wachstum um 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die vier grössten Player - HP, Apple, Acer und Lenovo - haben zum Teil massiv zugelegt (siehe Tabelle). Apple stagnierte allerdings bei einem Marktanteil von 16 Prozent. Das Wachstum der Grossen geht auf Kosten der Kleineren. Asus und Fujitsu, aber vor allem Toshiba mussten einen Rückgang der Auslieferungen im zweistelligen Bereich hinnehmen. Wortmann hingegen hatte ein sehr gutes Quartal. Steg konnte zwar etwas mehr Computer ausliefern, verlor aber leicht Marktanteile. Auch Dell verlor im Mittelfeld Marktanteile.
 
Wie den IDC-Zahlen weiter entnommen werden kann, kam es im Desktop-Geschäft im Gegensatz zum Vorquartal zu einem Stillstand. Hier stagniert der Markt bei rund 144'700 ausgelieferten Geräten. Markant zulegen konnte nur Lenovo mit einem Plus von nahezu 60 Prozent und auf den hinteren Rängen Digitec mit einem Wachstum von über 46 Prozent. Wortmann (23,7%), Brack (19,5%) und Acer (14,7%) konnten ihre Desktop-Absätze immerhin im zweistelligen Bereich steigern, während Steg um 5 Prozent zulegen konnte. Fujitsu (-22%) und Dell (-21,2%) zogen das Desktop-Segment herunter, während Apple mit einem Rückgang des Desktop-Absatzes um 8,2 Prozent auffällt. Marktführer HP musste einen Rückgang um 1 Prozent hinnehmen. Bei den Business-Desktops registrierte IDC einen Rückgang um 2,7 Prozent, bei den Consumer-Desktops ein Plus um 5,5 Prozent.
 
Weiterhin stark wächst der Schweizer Markt für mobile Computer (ohne Tablets). Laut IDC gab es im dritten Quartal ein Plus von 20,9 Prozent. Marktleader HP legte um satte 63,3 Prozent zu. Apple (20,1%), Acer (55,4%) und Lenovo (29,9%) profitierten ebenfalls vom Notebook-Boom. Bei den Business-Notebooks registrierte IDC ein Wachstum um 14,1 Prozent, bei den Privatkunden-Notebooks gar um 27,7 Prozent. (mim)

Unser Kommentar:

Das gab es schon lange nicht mehr: Gemäss IDC wurden in fast allen untersuchten Sektoren mehr Computer ausgeliefert als im Vorjahr. Selbst im stagnierenden Desktop-Markt wurden immerhin ein paar Dutzend Rechner mehr als im Vorjahr abgesetzt. Einzig im Geschäft mit Geschäfts-Desktops resultiert ein leichter Rückgang, doch hier könnte es im laufenden Weihnachtsquartal ins Positive drehen.
 
Die Zahlen zeigen klar, dass der PC-Markt zumindest in der Schweiz dieses Jahr ein fulminantes Comeback hinlegen wird. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Ablösung von alten Windows-XP-Rechnern in Unternehmen und Verwaltungen spielt sicher eine Rolle, wie auch die Erkenntnis, dass man mit Tablets eben doch nicht alle Funktionen eines "richtigen" PCs ersetzen kann.
 
Die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass der Wind sehr schnell drehen kann. Wenn zum Beispiel die auf Unternehmen abzielende Partnerschaft zwischen IBM und Apple Früchte trägt, könnte das Tablet-Geschäft wieder anziehen und der klassische PC wieder unter Druck kommen. So oder so sollten Marktforscher aufhören, die beiden Kategorien gesondert zu behandeln: Tablets sind nichts anderes als ultraportable Computer. (Maurizio Minetti)