"Cloud first" in der Bundesverwaltung

Erste Etappe der Bundes-Cloud ist geschafft. Doch es gibt noch viel zu tun.
 
Die Cloud-Umsetzung in der Bundesverwaltung habe Fahrt aufgenommen, sagt Willy Müller (Foto), Chefarchitekt und Auftraggeber für GovCloud-Projekte beim Informatik-Steuerungsorgan des Bundes (ISB). Inzwischen gelte "Cloud first" in der Bundesverwaltung, wie er am gestrigen "GovCloud Day" der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ausführte.
 
Da früher die Cloud-Nutzung beim Bund auf viele Vorbehalte gestossen sei, wertete Müller das bisher Erreichte bei der Umsetzung der Cloud-Computing-Strategie der Schweizer Behörden als Erfolg. Auf dem FHNW-Campus in Olten waren denn auch unter den rund 120 Gästen zahlreiche Beteiligte. Sie hatten in den letzten Jahren daran mitgearbeitet, Voraussetzungen für die flächendeckende Nutzung von Cloud-Services zu schaffen. Wie Müller zu inside-it.ch sagte, liegen ein entsprechender Bericht und statistische Daten über diese Etappe vor. Bericht und Date seien aber nicht zur Veröffentlichung gedacht.
 
Ausserdem machte die Veranstaltung die Cloud-Strategie des Bundes einem breiten Publikum bekannt und erfüllte damit ein weiteres Ziel des GovCloud-Massnahmenkatalogs.
 
Cloud-Unabhängigkeit angestrebt
Bei der Umsetzung bleibe allerdings noch viel zu tun, hielt Müller im Weiteren fest. Angesichts von Budgetkürzungen fehlten für grössere Umsetzungsprojekt derzeit jedoch die Gelder. Ausserdem seien inzwischen verschiedene Cloud-Angebote verfügbar, würden aber noch keineswegs flächendeckend genutzt. Dabei werde noch immer der Cloud-Einsatz vom Thema Sicherheit dominiert und wecke Misstrauen. Und zwar obwohl im Behördenalltag häufig Anwendungen genutzt würden, die ohnehin der Öffentlichkeit zur Verfügung stünden, wie Müller in seinem Vortrag festhielt.
 
Hier schleppe man noch genauso Altlasten mit, wie beim Bezug von Cloud-Services von ausserhalb der Schweiz, was beim Bund früher verboten war. Das gelte heute aber nur noch für "kritische" Applikationen. Insgesamt habe hier bereits ein Umdenken eingesetzt. Das lasse sich auch daran ablesen, dass sich in den letzten zwei Jahren der Fokus der Cloud-Strategie gewandelt hätte. Zentral seien nicht mehr allein die Sicherheit, sondern verstärkt würden Fragen zur "Unabhängigkeit der Schweiz" diskutiert und damit die Frage nach einer eigenen Cloud-Infrastruktur für die Behörden.
 
Wobei dies keineswegs immer sinnvoll ist, wie Müller am Beispiel der Prozessmodellierung erläuterte. Wollte man die nötige Software auf eigenen Servern laufen lassen, würde man ein Monate dauerndes Projekt aufgleisen müssen, während entsprechende Weblösungen in kürzester Zeit verfügbar seien: "Nur schon die Evaluation eines eigenen solchen Projektes verschlingt rasch 100'000 Franken und mehr." Cloud-Lösungen, so der Cloud-Spezialist des Bundes weiter, würden sehr häufig mit Zeit- und Kosteneinsparungen einhergehen, wie er am Beispiel HERMES kurz erläuterte.
 
Gleichzeitig wies der ISB-Mann auf ein Problem hin, das auf ganz andere Weise die Vorteile der Cloud-Nutzung hinfällig macht. Man habe beim Bund mit dem Einkauf zu kämpfen und müsse möglichst überschaubare Projekte aufgleisen. Denn ansonsten würden WTO-Ausschreibung erforderlich: "Die können wir aber nicht mehr allein, ohne Juristen, abwickeln" und das mache es schwierig, so Müller.
 
Weitere Schritte
Als Gastgeberin der Veranstaltung eröffnete Stella Gatziu Grivas die Veranstaltung, die die FHNW in Kooperation mit dem ISB organisiert hatte und von einer kleinen Ausstellung begleitet war. Die Fachhochschule führt zwar regelmässig mit Industriepartner Cloud-Veranstaltungen wie demnächst wieder einen Cloud Use Cases Day 2015 durch, doch diesmal habe man sich ganz der nun abgeschlossenen Etappe des GovCloud-Projektes gewidmet, so Grivas zu inside-it.ch. Daran orientierte sich auch die Agenda. Nach einer Keynote, die das Cloud-Modell englischer Behörden als beispielhaft pries, was allerdings in der anschliessenden Diskussion dann doch einige Schwachstellen zeigte, durften diverse Unternehmen ihre Cloud-Angebote zeigen, die ebenfalls an der GovCloud mitgearbeitet hatten.
 
Trotz Geldmangel werde das Projekt weitergetrieben, betonte Müller. Unter anderem habe die FHNW im Auftrag des ISB die Plattform GovCloudForum.ch in Betrieb genommen. Sie versteht sich als Community zum Thema, bietet unter anderem ein Anbieterverzeichnis und enthält zahlreiche Hintergrundinformationen. Zudem habe man mit Fördergeldern der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) ein Projekt gestartet, um das Cloud-Angebot des Bundes auch KMUs verfügbar zu machen. Zudem habe das ISB eine Standardisierungsgruppe eingerichtet, treibe die Konsolidierung der Infrastruktur voran und wolle bis 2020 ein Betriebskonzept für die GovCloud vorlegen. Damit wäre es dann relativ leicht möglich, die Cloud-Angebote auf den dereinst zusammengeführten Rechenzentren des Bundes anzubieten, so Müller. (Volker Richert)