Microsoft Ignite im Zeichen der Arbeitsproduktivität

Roger Haueter, Consultant bei isolutions.
Ein Gastbeitrag von Roger Haueter.
 
Nur eine Woche nach der Entwickler-Konferenz Build findet in Chicago zum ersten Mal die Microsoft Ignite für IT Professionals statt. Die Konferenz vereint zahlreiche Events und ist mit mehr als 23'000 Teilnehmern die grösste Veranstaltung ihrer Art. Während fünf Tagen stellt Microsoft die Neuerungen und Vorabversionen seiner Produkte vor und gibt die dazu Strategien bekannt.
 
Der Trend des mobilen Arbeitens, von Big Data und der zunehmenden Globalisierung stellen sowohl Microsoft, als auch die Kunden vor immer grössere Herausforderungen. Der Microsoft-CEO Satya Nadella zeigte während der Keynote, wie man diese angehen will. Der Schlüssel dazu soll die digitale Transformation sein, welche sich auf "Personal Computing", "Intelligent Cloud" und "Reinvent Productivity" konzentriert.
 
Einheitliches Office auf allen Plattformen
Vorgestellt wurden auch einige neue Funktionen in Windows 10 und die Vorabversion von Office 2016, welche seit Montag heruntergeladen werden kann. Während sich die neuen Office-Applikationen auf den ersten Blick auffallend von ihren Vorgängern unterscheiden, lässt sich bei der Verwendung die nahtlose Integration auf Desktop, Tablet und Mobiltelefon feststellen. Auf allen Plattform wird ein einheitliches Erlebnis geboten. Viele der neuen Funktionen in Office sind auf die Zusammenarbeit an Dokumenten und der Steigerung der Produktivität ausgerichtet. So können Dokumente an Online-Meetings gemeinsamen über Skype for Business bearbeitet werden, wobei die Teilnehmer live die Änderungen der Kollegen mitverfolgen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit der Desktop-Version, über die Office Web Apps oder über Mobile gearbeitet wird.
 
In diesem Zusammenhang wurde auch das Surface Hub präsentiert, ein weiteres Gerät aus dem Hause Microsoft. Der Rechner mit eingebautem 85-Zoll-Touch-Display könnte sich beispielsweise für ein interaktives Online-Meeting eignen, an welchem die Teilnehmer an unterschiedlichen Standorten am gleichen Dokument arbeiten könnten. Gewissermassen ein Online-Flipboard, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht.
 
Office 365 als Produktivitätswerkzeug
Weiter wurde die Betaversion des SharePoint Server 2016 angekündigt, welcher Ende dieses Jahres erscheinen soll. Die Roadmap der nächsten On-Premise-Version lässt deutlich die Hybrid-Strategie erkennen, welche die aus Office 365 bekannten Funktionen wie Delve oder Groups auch bei lokalen Installationen verfügbar macht. So kann modernste Technologie bezogen werden, ohne dass kritische Daten in der Cloud abgelegt werden müssen. Auffällig ist auch, dass die neuen Funktionen in SharePoint Server 2016 bereits heute in Office 365 verfügbar sind. Dieser Eindruck zieht sich durch die gesamte Konferenz und so verwundert es die Konferenzteilnehmer auch nicht, dass Office 365 mit integriertem SharePoint zum zentralen Werkzeug im Arbeitsalltag werden soll. Zwei Ankündigungen stechen unter dieser Betrachtung ganz besonders hervor. Das sind zum einen die Next Generation Portals und zum anderen Groups.
 
Die Next Genration Portals sind die logische Erweiterung der Plattform in Richtung intelligentem und vernetztem Arbeiten durch Einbezug sozialer Informationen. Die Grundlage der neuen Portale bietet Office Graph, welcher jede Aktion eines Benutzers auswertet und in Form eines Signals verarbeitet. Die Signale werden im Office Graph aufbereitet, um jedem Anwender eine personalisierte Oberfläche anbieten zu können, welche ihm die relevantesten Informationen bereitstellt, bevor er überhaupt danach sucht. Mit Delve führte Microsoft bereits vor einiger Zeit eine solche Lösung sein. Diese wird nun durch Office 365 Video, Delve People Profiles und dem Knowledge Portal ergänzt.
 
Mit dem Video Portal wird eine lang erwartete Entwicklung angestossen, welche den Trend hin zu gestreamten Videoinhalten in Unternehmen aufgreift. Laut einer Studie von Gartner soll bereits im kommenden Jahr jeder Mitarbeiter durchschnittlich 16 Stunden Videoinhalte pro Monat konsumieren. Angeschaut werden können die Videos dank responsive Design und HTML5 auf allen Endgeräten, ohne dass zusätzliche Software dafür benötigt wird. Das Erstellen oder Abspielen eines Videos erzeugt wiederum ein Signal in Delve und fliesst direkt in das persönliche Profil ein. Dies führt dazu, dass der Benutzer sein Profil nicht mehr selbst zusammenstellen muss, sondern diese Arbeit Delve überlassen kann, welches die Informationen anhand der gesammelten Signale und Informationen einpflegt.
 
Das dritte Portal mit dem Codenamen "InfoPedia" greift das Bedürfnis nach einfachem Teilen von Wissen auf und stellt den Mitarbeitern mit den Microsites ein schlankes Werkzeug bereit. Über eine Weboberfläche, welche stark an eines der neusten Office-Produkte "Sway" erinnert, kann jeder Mitarbeiter einfach und schnell ansprechende Blog- oder Wikisites erstellen. Die Microsites können anschliessend mit Tags markiert werden, wodurch sie in sogenannten Boards übersichtlich dargestellt und von anderen Mitarbeitern abonniert werden können. Die Plattform Pinterest arbeitet heute mit einem ähnlichen Prinzip.
 
Einen ähnlichen Ansatz verfolgen auch Groups, mit welchen virtuelle Arbeitsgruppen erstellt werden können. Die dort erarbeiteten Informationen werden von Delve analysiert und anderen Mitgliedern der Gruppe automatisch angezeigt. Groups integrieren sich zudem in OneDrive und Outlook, was den Informationsaustausch zusätzlich vereinfacht.
 
Produktiver sein, dank besserer Gesundheit
Während Microsoft den "Mobile first, cloud first"-Ansatz nach aussen trägt und seine Cloud-Plattformen stärkt, werden im Hintergrund die Produkte darauf ausgerichtet, die Mitarbeiter produktiver zu machen. Aufgaben sollen schnell erledigt werden können, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Gleichzeitig hat Microsoft auch erkannt, dass die Vermischung von Berufs- und Privatleben grosse Herausforderungen mit sich bringt und hat deshalb ein Gesundheits-Dashboard entwickelt. Dieses zeigt den Mitarbeitern an, wie viele Mails privat oder beruflich verschickt wurden, wie lange man sich im Büro aufhält oder wie viel Zeit Meetings in Anspruch nehmen. Diese Daten werden mittels Office Graph aufbereitet, mit anderen Mitarbeitern verglichen und sollen dabei helfen, eine optimale Work-Life-Balance herzustellen. (Roger Haueter, Chicago)
 
Über den Autor
Roger Haueter ist neben seiner Tätigkeit als Consultant bei isolutions auch in der Community aktiv. Er ist Präsident der SharePointCommunity.ch und Autor des bekannten SharePoint-Blogs TechTask.com, zudem hält er auf verschiedenen Konferenzen Vorträge. Für sein Engagement wurde Roger von Microsoft als Most Valuable Professional ausgezeichnet. Sein Fokus liegt auf der Architektur und Konzeption von Enterprise-SharePoint-Umgebungen.
 
Hinweis: Wer nicht an der Ignite war, kann die wichtigsten Neuigkeiten an zwei Events bei isolutions in Bern oder bei Microsoft in Wallisellen erfahren. Weitere Informationen gibt es hier.