SuisseID: Grosses Potenzial in der Finanzindustrie?

Der Entwurf der Revision der Geldwäschereiverordnung der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) wird vom SuisseID-Trägerverein begrüsst. In der Anfang April beendeten Anhörung zur revidierten Fassung ist neu im Artikel 47 Absatz 2 vorgesehen, dass als "gültige Echtheitsbestätigung ebenfalls das Einholen einer Ausweiskopie von der Datenbank eines anerkannten Anbieters von Zertifizierungsdienstleistungen" gilt. Diese Echtheitsbestätigung soll "nach dem Bundesgesetz vom 19. Dezember 2003 über die elektronische Signatur in Kombination mit einer elektronischen Authentifizierung" möglich sein.
 
Laut dem Verein würde mit dieser Gesetzesanpassung das Eröffnen von Geschäftsbeziehungen über das Internet bald Realität, erfülle SuisseID die dazu nötigen Anforderungen doch schon heute und könnte "bald zum Standard für elektronische Geschäftsbeziehungen im Finanzwesen avancieren". Hier ist allerdings viel Hoffnung mit im Spiel, da die digitale Unterschrift zwar bei mehr als 200'000 Unternehmen im Einsatz ist - genaue Zahlen gibt der Verein nicht bekannt -, von privaten Anwendern aber noch kaum genutzt wird.
 
Hier könnte vielleicht der künftige Artikel 47 Absatz 2 der Geldwäschereiverordnung eine Trendwende einleiten. Erlaubt er doch die zur Eröffnung einer Geschäftsbeziehung mit einem Finanzinstitut bisher unumgängliche persönliche Identifikation vor Ort auch online mit einem sicheren und zertifizierten Identitäts-Service. Man könnte also dereinst von zu Hause aus bequem ein Bankkonto eröffnen oder eine Versicherung abschliessen, wie der Verein in seiner Mitteilung festhält.

Wie man bei der Finma gegenüber inside-it.ch festhält, könnte die revidierte Geldwäschereiverordnung noch Ende des zweiten Quartals 2015 in Kraft treten. Damit wäre dann, wenn man SuisseID folgt, die gesetzliche Grundlage beispielsweise für die Finanzindustrie geschaffen, Kunden komplett digitalisiert zu akquirieren: "Auch alle anderen Prozesse und Freigaben, die bisher eine handschriftliche Unterschrift erforderten, können bereits heute digital erfolgen". Als wesentliche Hürde sieht man bei SuisseID allerdings, dass für das Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten in der Branche stark umgedacht werden müsste und "kurz- und mittelfristig ein umfassender Aus- und Umbau der Geschäftsprozesse" nötig wäre. (vri)