Dubioser Konkurs: Tessiner Bitminer pleite

Die Idee klang so schön: Eigens entwickelte Rechner für das "Schürfen" von Bitcoins sollten für gut 6000 Franken das Stück aus dem Tessin in die ganze Welt hinaus verkauft werden. Das dachten sich zwei Tessiner und gründeten im Sommer 2013 Bitmine. Die gut vernetzte Szene rund um die digitale Währung wurde schnell auf die grossen Versprechen effizienter Rechner aufmerksam, tausende Bestellungen gingen ein. Das grosse Geld schien in greifbarer Nähe. Zwei Jahre später ist alles vorbei, die Unterlagen liegen beim Konkursrichter, der Traum ein Alptraum.
 
Der tiefe Fall
Die Tessiner gerieten schon vor über einem Jahr in Schwierigkeiten. Nachdem sich zahlreiche Kunden über ausbleibende Lieferungen beschwert hatten, versicherte der Geschäftsführer gegenüber '20 Minuten Online' noch im März 2014, nach einigen Problemen mit Zulieferern auf Kurs zu sein: "Es herrscht Goldgräberstimmung".
 
Unerklärliche Naivität
Dass dem offenbar nicht so war, kann man nun aus einem offenen Brief herauslesen, in dem die Geschäftsleitung ihre eigene Geschäftsidee zerpflückt. Demnach kalkulierte Bitmine offenbar mit einem stabilen Bitcoin-Kurs, obwohl dieser immer wieder massiven Schwankungen ausgesetzt ist und entsprechende Investitionen als hochspekulativ gelten. Dass mit Mt.Gox eine der grössten Bitcoin-Börsen von der Bildfläche verschwand und millionenschwere Vermögen mit ihr verloren gingen, dürfte den Geschäftsgang zusätzlich erschwert haben, denn der Niedergang liess den Bitcoin-Kurs prompt einbrechen.
 
Weiter macht Bitmine einen chinesischen Zulieferer verantwortlich, der fehlerhafte Chips geliefert und nicht ersetzt haben soll. Offenbar hat Bitmine bei dem Unternehmen aber trotzdem weitere Bestellungen getätigt. Fast acht Millionen US-Dollar hat Bitmine laut eigener Aussage so verloren. Eine entsprechende Anfrage von inside-it.ch liess der chinesische Zulieferer bisher unbeantwortet.
 
Offenbar war Bitmine aber auch mit der Entwicklung des eigenen Produkts überfordert und hatte einen chronischen Mangel an verschiedenen weiteren Hardware-Komponenten, wie die Geschäftsleitung im offenen Brief selber eingesteht.
 
Viel Hoffnung machen die Firmengründer ihren geprellten Kunden nicht: "We acknowledge that this will not bring back your money, but hopefully it will give you an honest view on the reasons why it had been lost," schliesst der offene Brief. (mik)