Golliez' grosse Pläne: Open-Data-Gesetz und ein Data Innovation Lab

Der Open-Data Spezialist André Golliez hat zahlreiche Initiativen im Köcher
 
André Golliez hat die von ihm mitgegründete Zürcher Beratungsfirma Itopia verlassen, um sich verstärkt auf sein Engagement im Bereich Open Data konzentrieren zu können. Als Berater arbeitet er weiterhin, vorwiegend für Bund und Kantone. Golliez ist aber auch Präsident des Vereins Open Data und als solcher in verschiedenste Projekte involviert, die er nun vorantreiben will. Was er jetzt vorhat:
 
Open Data soll im Gesetz verankert werden
Golliez' Pläne für Open Data sind zahlreich: Da wäre der Verein Open Data, der sich unter anderem mit Open Government Data beschäftigt. Hier sei ein parlamentarischer Vorstoss in Vorbereitung, der eine gesetzliche Grundlage fordert, sagt Golliez gegenüber inside-it.ch. Nötig sei das, weil Behörden oft unzureichend kooperieren würden. "Einige haben mit Open Data kein Problem, etwa das Bundesamt für Statistik oder das Bundesamt für Meteorologie. Für sie ist die Herausgabe von Daten schon lange Alltag", sagt Golliez. Schwieriger werde es bei Ämtern, die sich das noch nicht gewohnt seien. "Das ist auch eine Kulturfrage, denn die Weitergabe von Daten bedeutet immer auch einen Kontrollverlust: Was macht der Bürger, der Wissenschaftler oder der Journalist mit den Daten? Wie interpretiert er sie und wohin wird das führen?", dazu komme auch ein potenzieller Kompetenzverlust. "Auf Grundlage öffentlicher Daten entwickelte Applikationen könnten Verwaltungsaufgaben vielleicht schneller und günstiger erledigen, was in der Verwaltung allenfalls zum Verlust von Arbeitsplätzen führen könnte", sagt Golliez. Deshalb sei von der Verwaltung kein ausreichendes Entgegenkommen zu erwarten und eine gesetzliche Lösung deshalb notwendig.
 
Ein Innovation Lab für Forschung und Verwaltung
Noch ganz am Anfang stehen die Pläne für ein Data Innovation Lab nach angelsächsischem Vorbild. Nach den Sommerferien will André Golliez beim Bund, in der Industrie und der Stadt Zürich auf die Suche nach Partnern gehen, um im Lab die Bereiche Verwaltung und Forschung bearbeiten zu können. Die Pläne befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium, sagt Golliez. Für den Standort aber gibt es schon konkrete Pläne: Der Impact Hub in Zürich soll es werden. Dieser ist laut eigenen Angaben mit Hubs in derzeit 66 weiteren Städten verbunden, darunter Genf.
 
Genossenschaftlicher Data-Broker für Gesundheitsdaten
Ein Kernanliegen von André Golliez ist Midata.Coop, eine neu gegründete Genossenschaft, die als Broker für anonymisierte Gesundheitsdaten auftreten will. Die Genossenschaft hat vergangene Woche ihre Online-Plattform für die Verwaltung der Daten vorgestellt. Online ist sie noch nicht, eine Website befindet sich im Aufbau. Über die von der ETH entwickelte Plattform sollen dereinst Gesundheitsdaten vertrieben werden können, ein Pilotprojekt mit Multiple-Sklerose-Patienten ist für Ende Jahr vorgesehen. Die Idee dahinter: Der Patient soll selber bestimmen können, was mit seinen Daten geschieht. "Entschädigt wird er für die Weitergabe nicht", sagt Golliez. Zurzeit hinkt die Schweiz dem Ausland noch hinterher: Fortgeschrittene Pläne gebe es etwa in Grossbritannien oder auch in den USA, wo die Regierung die Smart Disclosure Initiative lanciert hat. Und mit dem finnischen Mydata Project stehe man seit neustem sogar in Kontakt. Ziel sei es, dereinst neben Gesundheitsdaten auch möglichst alle anderen persönlichen Daten konglomerieren zu können.
 
Bunde veröffentlicht 300'000 geografische Namen
Just heute hat Swisstopo 300'000 geografische Begrifflichkeiten unentgeltlich online gestellt. Die Daten umfassen Punkte wie Geschäfte und Haltestellen sowie Flächen wie Flur- und Hügelnamen. Über eine Implementierung von "Swissnames3D" in einem Kartendienst können diese Daten dazu genutzt werden, um künftig auch das Guugemätteli in Erlinsbach oder das Unterseer Stedtlizentrum verorten zu können. "Swissnames3D" löst "Swissnames" aus dem Jahr 2001 ab. Interessierte erhalten die Daten in den Formaten ESRI File, ESRI Shapefile (3D) und als CSV Textdatei. (Michael Küng)