Wer springt als nächstes auf den Paymit-Zug?

Swisscom tritt der Paymit-Allianz bei und gibt Tapit auf. Noch promoten aber Postfinance und Migros Bank eigene Apps. Halten Sie daran fest?
 
Die Mobile-Payment-Lösung Paymit von SIX, UBS und ZKB ist für Kunden erst seit Mai erhältlich und scheint eine Erfolgsstory zu werden. Nach sechs Banken hat heute auch Swisscom verkündet, künftig auf Paymit zu setzen. Ihre eigene App gibt sie wegen chronischer Erfolglosigkeit auf. Damit bleiben in der Schweiz neben einer Reihe kleiner Startups noch zwei grosse Unternehmen im Rennen um das Geschäft mit Mobile Payment:
 
Postfinance will im Herbst eine eigene Bezahl-App lancieren. "Twint" ist eine Prepaid-Lösung, die unabhängig von Karten oder Konti funktioniert. PostFinance-Kunde muss man nicht sein. Ein Anschluss an Paymit ist für PostFinance kein Thema: "PostFinance ist hierzulande im Mobile Payment Marktführer. Unsere erste App für Peer-2-Peer-Zahlungen haben wir bereits 2010 fünf Jahre vor dem Start von Paymit lanciert", sagt Johannes Möri, Sprecher von PostFinance, gegenüber inside-it.ch. Auch im Hinblick auf die Konkurrenz der Tech-Giganten will PostFinance von einem Zusammenschluss nichts wissen: "Als Schweizer haben wir sicher Vorteile gegenüber Apple, Google und Co. Wir kennen den hiesigen Markt und haben drei Millionen Kunden". Aber selbstverständlich beobachte man die Entwicklungen sehr genau, sagt Möri.
 
Ein weiterer Player in der Schweiz ist die Migros Bank, die mit der App P2P seit letztem Sommer ihren Kunden die Möglichkeit gibt, Transaktionen zwischen Handys zu tätigen. Seit kurzem steht die App auch allen anderen Smartphone-Nutzern offen. Bei P2P können Zahlungen auch direkt auf der Website vorgenommen werden. Eine Registrierung entfällt, als Adressat reicht eine Handy-Nummer. Für eine eigene Lösung entschieden hat sich die Migros Bank, weil zum Zeitpunkt der Lancierung von P2P noch nicht klar gewesen sei, welche Unternehmen wann und mit welchen Produkten auf den Markt treten würden, so Urs Aeberli, Sprecher der Migros Bank. Gegenüber einem möglichen Anschluss an die vorpreschende Paymit-Lösung gibt sich Aeberli ähnlich kritisch wie sein Kollege bei PostFinance: "Ein Anschluss ist zur Zeit eine hypothetische Frage, aktuell sehen wir dafür keinen Anlass". Vor den globalen Anbietern fürchte man sich nicht: "Apple ist eine grosse Gefahr, grosse Marken verschwinden aber auch wieder, wie man bei Nokia gesehen hat. Bestehen wird, wer langfristig Erfolg hat". Speziell im Schweizer Markt sei auch die starke Position der Detailhändler Coop und Migros: "Wir werden sehen, mit wem die beiden kooperieren".
 
Apple Pay funktioniert in der Schweiz wohl bereits
Im Rennen mit den Tech-Giganten müssen sich die Schweizer Finanzdienstleister womöglich mehr beeilen, als bisher gedacht. Denn Apple Pay, der wohl potentiell grösste Konkurrent aus dem Ausland, steht hierzulande offenbar in den Startlöchern: Schon vor drei Monaten hat ein Blogger von 'Apple Insider' bei einem Besuch in der Schweiz Apple Pay offenbar erfolgreich ausprobiert. Bei Jelmoli konnte er laut eigenen Aussagen einen Einkauf bezahlen. Und auch an einem Ticketschalter der SBB wurde der Bezahlvorgang erkannt, die Überweisung allerdings verweigert. Dem Blog-Eintrag hat er einen Screenshot beigestellt, der die Bezahlvorgänge auf seinem Handy zeigt.
 
Eine kurze Nachfrage bei Jelmoli bringt keine zusätzlichen Informationen. Der Blog-Eintrag sei bekannt. Ob die Transaktion tatsächlich stattgefunden habe und welche Umstände diese allenfalls ermöglicht hätten, habe nie vollständig geklärt werden können, sagt eine Sprecherin.
 
Nicht nur eine Frage der Zeit
Ob der Grossteil des Kuchens schliesslich an einen grossen Player oder mehrere gehen wird, lässt sich nicht abschätzen. Neben dem Markteintritt spielen auch die Fähigkeiten der Bezahl-Funktion eine gewichtige Rolle. Apple Pay punktet mit dem Fingerabdruck-Sensor in der neusten iPhone-Generation. Das Handy muss nur mit dem Finger auf dem Sensor über den NFC-Terminal gehalten werden, das Starten einer App ist nicht nötig. Zu Gunsten des Datenschutzes verzichtet Apple aber auch darauf, Apple Pay für Bonus-Programme und ähnliches zu öffnen, das Sammeln von Cumulus-Punkten wird mit Apple also nicht möglich sein – eine Chance für die heimischen Player. (Michael Küng)