Hewlett-Packard (Enterprise) streicht weitere 30'000 Stellen

Auch Hewlett-Packard Enterprise Schweiz wird betroffen sein. Von der ehemaligen EDS bleibt nichts mehr übrig.
 
Der Computer-Riese Hewlett-Packard wird im Zuge seiner Aufspaltung bis zu 30'000 Arbeitsplätze streichen. Damit sollen jährlich rund 2,7 Milliarden Dollar eingespart werden, wie der US-Konzern gestern an einem Meeting mit Finanzanalysten mitteilte. Die 25'000 bis 30'000 Jobs werden im Geschäft mit Unternehmenskunden, also bei Hewlett-Packard Enterprise, wegfallen. Hier wird es vor allem Mitarbeitende im Service-Business treffen. HP hat 2008 das Service-Geschäft mit der Übernahme des IT-Dienstleisters EDS für 13,9 Milliarden Dollar massiv ausgebaut. Seitdem folgt eine Entlassungs- und Frühpensionierungswelle der anderen.
 
Auch Hewlett-Packard Enterprise Schweiz wird vom Stellenabbau betroffen sein. Konkrete Angaben dazu wird man wohl in zwei bis drei Monaten machen können. Zum Vergleich: Mit der letzten Restrukturierungsrunde baute HP 29'000 Stellen ab, 7000 davon in Europa. In der Schweiz wurden in einer ersten Runde 232 Stellen gestrichen, letztes Jahr wurden dann weitere 161 Stellen wegrestrukturiert.
 
Geringerer Stellenabbau bei HP Inc.
Auch der bald abgespaltene PC- und Druckerhersteller HP Inc. muss Federn lassen. HP Inc., in der Schweiz HP Schweiz GmbH, wird in den nächsten drei Jahren weltweit 3300 Stellen abbauen. Ob die Schweizer Niederlassung davon betroffen sein wird, ist unklar. Anders als HP Enterprise ist der PC-Arm von HP in der Schweiz als Verkaufsniederlassung aufgebaut und wesentlich kleiner. Der Stellenabbau HP Inc. soll über die nächsten drei Jahre abgewickelt werden und rund 300 Millionen Dollar kosten.
 
Von EDS bleibt (fast?) nichts mehr übrig
Seit dem Kauf des riesigen IT-Dienstleisters EDS, der damals mit der ehemaligen Swissair-Tochter Atraxis auch eine grosse Niederlassung in Zürich hatte, folgt bei HP eine Stellenabbau-Runde der nächsten. 2008 kündigte der damalige CEO Mark Hurd den Abbau von 25'000 Stellen an, 2012 schrieb HP acht Milliarden Dollar Goodwill vom EDS-Kauf ab. Zudem wurden weitere 29'000 Stellen abgebaut.
 
Fertig restrukturiert?
Die neue Sanierungsrunde wird Hewlett-Packard Enterprise ungefähr 2,7 Milliarden Dollar kosten. Wie HP-Chefin Meg Whitman gestern an der Analysten-Konferenz sagte, soll sie weitere Restrukturierungen unnötig machen. "final actions will eliminate the need for any future corporate restructuring", sagte sie gemäss einem Bericht im 'Wall Street Journal' (kostenpflichtig). (sda / kjo / hc)

Unser Kommentar:

Groschengrab? Groschenfriedhof!
Hewlett-Packard und damit auch die HP-Angestellten leiden weiterhin und heftig an den Fehlern der Vergangenheit. Mit der 13-Millarden-Dollar-Übernahme von EDS wollte HP 2008 zum Konkurrenten IBM aufschliessen und endlich auch im Service-Geschäft eine grosse Nummer werden. Die folgenden Restrukturierungswellen haben weitere Milliarden gekostet. Insgesamt dürften es wohl über 20 Milliarden gewesen sein - geblieben ist nichts oder nicht viel.
 
Ein Jahr später kaufte HP den Netzwerk- und Smartphone-Hersteller 3Com für "nur" 2,7 Millliarden Dollar. Gelohnt hat sich auch dieser Deal nicht. HP stieg 2011 aus dem Smartphone-Business aus und konnte auch im Netzwerkbusiness dem übermächtigen Konkurrenten Cisco nicht wirklich Paroli bieten.
 
Unter Léo Apotheker kaufte HP dann den Software-Hersteller Autonomy für 10 Milliarden Dollar. Der Versuch, ins hochmargige Software-Business einzusteigen, endete mit einem gewaltigen Abschreiber und anhaltendem Rechtsstreit. Dass man mit HP IDOL, wie die Autonomy-Lösungen heute heissen, fantastische Lösungen bauen kann, wird seither von der Öffentlichkeit ignoriert. HP schafft es offenbar einmal mehr nicht, die zugekauften Produkte zu vermarkten.
 
Die Übernahme-Strategie von HP der Vergangenheit ein "Groschengrab" zu nennen, ist stark untertrieben. (Christoph Hugenschmidt)