Wie Swisscom 500 Mbit/s aus Kupferdrähten kitzeln will

DSLAMs in Kabelschächten: Hier kanns auch mal feucht werden. (Foto: Swisscom)
Huawei und Swisscom haben die G.fast-Technologie näher vorgestellt.
 
Bereits im April dieses Jahres hat Swisscom Tests mit der neuen Technologie "G.fast" durchgeführt, die auf herkömmlichen Kupferdrahtanschlüssen wesentlich höhere Bandbreiten als bisher ermöglichen soll. G.fast soll dort zum Einsatz kommen, wo Kupferdrähte vorerst nicht durch Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnungen abgelöst werden. Dies wird insbesondere Ausserhalb der Ballungszentren der Fall sein.
 
An einem Medienanlass (an dem inside-it.ch leider nicht teilnehmen konnte) haben Swisscom und der Technologielieferant Huawei heute weitere Details zu dieser Technologie bekannt gegeben. G.fast soll Bandbreiten von bis zu 500 Mbit/s ermöglichen. Um in diese Bandbreitenregion vorzustossen, muss aber auch mit G.fast die Länge der Kupferkabel, die auf der "letzten Meile" noch zum Einsatz kommen, stark beschränkt werden. Swisscom plant laut einer Medienmitteilung dafür zwei Varianten: Bei grösseren Gebäuden werden in der Variante "Fibre-to-the-Building" (FTTB) die Glasfasern bis zu Verteilern in den Gebäuden reichen und von dort aus auf die Kupferkabel geschickt werden. Bei der Variante "Fibre-to-the-Street" (FTTS) sollen die Glasfasern bis zu Kabelschächten in Strassenzügen verlegt werden. Die Länge der Kupferkabel soll so auf rund 220 Meter beschränkt werden.
 
Das Kernnstück der FTTS-Variante sind besonders robuste sogenannte FTTS-DSLAMS, die Huawei speziall an die Bedürfnisse von Swisscom angepasst hat. Diese Geräte werden in den Kabelschächten montiert. Sie sorgen für die Übertragung der Signale von Glasfasern auf Kupferkabel und umgekehrt. Das Leben in einem solchen Kabelschacht ist aber nicht besonders angenehm, speziell für ein empfindliches elektronisches Gerät. Es ist mal heiss, mal kalt, oft feucht und wenn einem ein Laster über den Kopf fährt kann es auch ziemlich rütteln. Die von Huawei für Swisscom prodizierten FTTS-DSLAM-Boxen müssen darum wasserdicht, schmutzabweisend, stossfest und widerstandsfähig gegen Temperaturschwankungen und Vibrationen sein. Ausserdem müssen sie ihren Strom über die Kupferkabel beziehen können, da es in den Kabelschächten keine Stromanschlüsse gebe, so Swisscom.
 
Wenn die Kupferkabel weniger als 220 Meter lang sind, sollte laut Swisscom mit G.fast ein Tempo von rund 300 Mbit/s erreicht werden können. Bei weniger als 100 Meter sollen es die im Titel genannten 500 Mbit/s Gesamtbandbreite sein. Damit ist allerdings nicht nur die Downloadgeschwindigkeit, sondern die kombinierte Down- und Uploadgeschwindiglkeit gemeint. Das Verhältnis von Upload zu Download lässt sich laut Swisscom mit der neuen Technologie zwischen 1:9 und 1:1 flexibel konfigurieren. Dies ermögliche beispielsweise Anschlüsse mit 350 Mbit/s Downstream und 150 Mbit/s Upstream, oder 250 Mbit/s Downstream und 250 Mbit/s Upstream.
 
Auf Kundenseite müssen für die Einführung der neuen Technologie keine neuen Kabel verlegt oder neue Stecker installiert werden. Notwendig ist allerdings die Installation neuer Modems. Swisscom will ab Ende 2016 mit der flächendeckenden Einführung von G.fast beginnen. (hjm)