EU vs Google: Android gerät in den Strudel

Die EU-Kommission hat ihr Wettbewerbsverfahren gegen den US-Internetkonzern Google verschärft. Dabei geht es um Android und die mit dem Betriebssystem verbundene Ausbreitung der Google-Suche. Google baut der Kommission zufolge seine marktbeherrschende Stellung bei der allgemeinen Internetsuche aus. Die Google-Suche sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert. Konkurrenten würde so der Marktzugang versperrt.

"Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schliessen, dass Google durch sein Verhalten den Konsumenten eine grössere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält", sagte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager. Die Google-Suche sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert und als Standardsuchdienst bzw. einziger Suchdienst festgelegt. Ferner werde Konkurrenten auf dem Suchmaschinenmarkt auf diese Weise der Marktzugang über konkurrierende mobile Browser und Betriebssysteme versperrt, kritisiert die Brüsseler Behörde.

Google zeigt sich gelassen
Google kann innerhalb von zwölf Wochen auf die neuen Vorwürfe aus Brüssel reagieren. Google reagierte am Mittwoch gelassen. "Wir freuen uns, mit der Kommission zusammenarbeiten und zeigen zu können, dass Android gut für den Wettbewerb und gut für die Konsumenten ist", teilte Chefanwalt Kent Walker mit.

Der Verband der Computer- und Kommunikationsindustrie (CCIA) erklärte, er sehe nicht die Gefahr, dass Google durch seine Massnahmen Konkurrenz ausschliesse. Nutzer könnten sich durchaus andere Betriebssysteme beschaffen und Apps von anderen Anbietern auf Geräte mit Android-Systemen laden, teilte CCIA mit.

Busse bis 10 Prozent des Jahresumsatzes
Die Behörde hatte erste Ermittlungen zur Wettbewerbssituation bei Android vor einem Jahr eingeleitet. Die Kommission verschickte jetzt in diesem Fall offizielle Beschwerdepunkte an den US-Konzern. Dieser kann sich nun ausführlich zu den Bedenken äussern. Die Android-Untersuchung ist Teil eines grösseren EU-Verfahrens gegen Google.

Falls die europäischen Wettbewerbshüter ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht dem Unternehmen ein Bussgeld von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft.

Google hat bereits Ärger mit der Brüsseler Behörde wegen der Platzierung von Werbung in seiner Suchmaschine. In dem seit 2010 laufenden Verfahren beschuldigt die EU-Kommission den US-Konzern, eigene Angebote zu bevorzugen. (sda/mik)