MINT-Berufe: Der Lohn ist nicht so wichtig

Studie nennt Jobinhalte, Arbeitsklima, Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten als zentral Kriterien in Sachen MINT.
 
Angesichts fehlender MINT-Fachkräfte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) haben die Hochschule Luzern und die Berner Fachhochschule mit dem Forschungsprojekt "Employing the New Generation" nach den Erwartungen dieser Spezialisten gefragt. Demnach sind für Jung und Alt interessante Jobinhalte, die Work-Live-Balance, ein positives Arbeits- und Teamklima sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten wichtiger als der Lohn.
 
Die Forscher haben in der Deutschschweiz die 17- bis 34-jährigen und die 35- bis 51-jährigen dieser Berufsgruppen gefragt, was sie von ihren Arbeitgebern erwarteten. Dazu wurden 34 Interviews und 563 Online-Befragungen durchgeführt. Mitarbeiter der Schweizerischen Post, dem UVEK, der CometGroup und der AvenirGroup beteiligten sich an der Studie.
 
Lohn nur auf Platz fünf
Sie wollte ermitteln, ob und wenn ja unter welchen Voraussetzungen der MINT-Nachwuchs und die -Fachkräfte bereit sind, einem Unternehmen ihre Arbeitskraft umfassend und längerfristig zur Verfügung zu stellen. Insgesamt, heisst es in der Studie, geschieht das - bei beiden Generationen - dann, wenn der Jobinhalt und die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit des Arbeitgebers stimmen, die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben gegeben ist, ein als positiv wahrgenommenes Arbeits- und Teamklima besteht und die Aussicht auf attraktive Entwicklungsmöglichkeiten im fachlichen Bereich vorhanden sind.
 
Interessant ist, dass der Lohn erst nach diesen vier Kriterien genannt wird. Wobei ihn nur rund die Hälfte der Befragten überhaupt nennen. Darin spiegle sich wohl "das bereits hohe Lohnniveau im MINT-Bereich wieder", wie es in dem Papier heisst.
 
Sicherheit und Karriere
Auffällig ist laut Studie, dass eine Anstellung, die Sicherheit und längerfristige Entwicklungsmöglichkeiten bietet, auch für die jüngeren MINT-Fachkräfte attraktiv ist und diese Generation "sich nicht – wie zahlreiche Beiträge aus Wirtschaftspresse und Beraterstudien suggeriert haben – opportunistisch" verhält.

Konkret stimmten beide Altersgruppen dann auch bei den verwendeten Stellensuchkanälen überein. Das eigene Netzwerk, Empfehlungen aus dem Unternehmen, Online-Jobbörsen oder Unternehmenswebseiten stehen hier im Vordergrund, während Xing, LinkedIn oder Facebook auch für die jüngeren MINTs bedeutungslos sind. Und interessanterweise war "nur für eine verschwindend kleine Minderheit die Reputation des Unternehmens relevant".
 
Als bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden MINT-Generationen wird auf die Erwartungen an das Arbeitsklima, die Rolle der Führungskraft und die Gestaltung des Verhältnisses zwischen betrieblichen Flexibilitätsansprüchen und eigenen Vorstellungen an die Work-Life-Balance verwiesen. Die Jüngeren würden im Gegensatz zu den Älteren ihre zentralen Ansprüche und Werte für ein gelingendes privates Leben auch auf ihr Arbeitsleben übertragen. "Arbeit soll Sinn, Anerkennung und Zugehörigkeit vermitteln – und das Team (und weniger das Unternehmen an sich) ist der Ort, wo diese Bedürfnisse auf Widerhall und Befriedigung stossen sollen und wo Bindung entsteht", so die Studie. (vri)