Zehn IT-Innovationen, die Behörden ins Auge fassen sollten

Auch Behörden müssen aus dem Alltagstrott ausbrechen, sagt Gartner.
 
Die CIOs und IT-Strategen von Regierungen und Behörden haben weltweit keine einfache Zeit hinter sich. Eine Mehrheit von ihnen musste in den letzten Jahren kontinuierlich mit dem Druck leben, mit immer weniger Geldmitteln immer mehr Ansprüche erfüllen zu müssen. Die Situation ist zwar von Land zu Land sehr unterschiedlich, aber zumindest global gesehen, könnte nun eine kleine Trendwende in Sicht sein, glaubt Gartner. Das weltweite Budget für "Government-IT", das von 2014 auf 2015 noch um fünf Prozent geschrumpft war, soll sich dieses Jahr bei rund 430 Milliarden Dollar stabilisieren, beziehungsweise leicht steigen.
 
Fette Zeiten brechen also noch nicht gerade an, aber zumindest dort, wo die Budgets nicht mehr ganz so klamm sind, sollten IT-Strategen dies nützen, um vermehrt in moderne Technologien, insbesondere Transformationsinitiativen, zu investieren, rät Gartner. Veraltete Systeme, Prozesse und Datensilos beizubehalten, verstärke die Neigung dazu, beim sicheren "Business as Ususal" zu bleiben. Dies limitiere Behören zudem dabei, moderne digitale End-to-end-Services von IT-Partnern zu beziehen und führe auf längere Frist auch zu höheren Ausgaben.
 
Gartner benennt zehn strategische IT-Technologien beziehungsweise -Bereiche, auf welche IT-Verantwortliche von Behörden dieses Jahr (und wohl auch noch etwas länger) ihr Augenmerk richten sollten.
 
Der digitale Arbeitsplatz
Nicht nur Angestellte in Unternehmen, auch Beamte sind es aus ihrem Privatleben zunehmend gewohnt, mit Smartphones, Tablets, Apps, Cloud-Services usw umzugehen. Ihnen solche Tools, beziehungsweise Tools, die den privat genutzten Tools ähneln, zur Verfügung zu stellen, sollte ihr Engagement und ihre Effizienz steigern.
 
Bürger auf vielen Kanälen ansprechen
Zauberwort "Multichannel": Aufgrund des schellen technologischen Wandels habe Bürger heutzutage ein Vielzahl von unterschiedlichen Vorlieben, wenn es um die Kommunikation mit Ämtern geht. Die öffentliche IT sollte versuchen, alle diese Bedürfnissen Rechnung zu tragen und heutzutage insbesondere auch Kommunikationskanäle über Social Media erschliessen. Einerseits sollte man Daten dazu erheben, welche Bürger welche Kanäle bevorzugen, ihnen aber grundsätzlich die Möglichkeit bieten, den Kanal zu benützen, den sie wollen.
 
Alle Daten öffnen
Von Staaten gesammelte Daten sollten heutzutage wenn immer möglich standardmässig der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Damit sie effizient verwendet werden können, sollten sie in einem von Maschinen lesbaren Format veröffentlicht werden.
 
E-ID
Die elektronische Identität ist nicht gerade ein neues Thema, noch besitzt aber beispielsweise hierzulande nur ein verschwindend kleiner Teil der Bevölkerung eine SuisseID oder eine andere elektronische Signatur. Ein zuverlässiger und für Bürger einfach zu handhabender elektronischer Identitätsnachweis wird aber immer mehr zur Notwendigkeit, um durchgängig digitale Prozesse zu ermöglichen.
 
Analytics überall
Was für Unternehmen gilt, gilt auch für Behörden: Daten aus Bereichen und allen Phasen von Vorgängen zu analysieren ermöglicht bessere Entscheidungen. Statt diese wie gehabt auf teilweise arg angejahrte Zahlen zu stützen, könnten Behörden vermehrt nützlichere Einsichten aus ganz aktuellen "Real-Time"-Daten gewinnen, glaubt Gartner.
 
Smarte Maschinen
Ein weites Feld, aber ebenfalls eines, das Government-IT-Strategen im Auge behalten sollten. Immer mehr "kluge", lernfähige Maschinen können Aufgaben übernehmen, die bisher von Menschen wahrgenommen wurden, von selbstfahrenden Autos bis zu virtuellen Sekretären und Beratern. Auch Vertreter der öffentlichen IT sollten sich überlegen, wie smarte Maschinen zur Verbesserung von Behördenservices eingesetzt werden könnten.
 
Das Internet der Dinge
Mit dem Internet verbundene Dinge sind ebenfalls ein sehr breites Feld und überlappen sich teilweise mit den "smarten" Maschinen. Auch für Behörden werden zunehmend IoT-Anwendungen konzipiert, so Gartner. Drei Beispiele unter vielen sind Road-Pricing und Systeme zur automatischen Abrechnung im Bahnverkehr, oder Abfallkübel und -Container in Städten, die ihren Füllstand melden.
 
Digitale Plattformen
Viele digitale Services werden in einer grossen Zahl von E-Gov-Prozessen benötigt, zum Beispiel Identitäts-Management und -Verifikation, Online-Zahlungsmöglichkeiten und Kommunikationsmöglichkeiten (sichere E-Mail-, SMS-Systeme usw.). Solche Basisservices auf einer Plattform zusammenzufassen und zur Verfügung zu stellen würde den Aufbau mancher neuer E-Gov-Services deutlich beschleunigen.
 
Software definierte Architektur
Software defined Storage, Software defined Networking, Software defined Datacenters: Diese Themen sollten auch die IT-Infrastrukturverantwortlichen von Behörden nicht kalt lassen, findet Gartner. Ziel der Einführung solcher Infrastrukturen ist es, die Flexibilität in Rechenzentren deutlich zu erhöhen.
 
Risiko-basierte Security
Regierungs-CIOs sollten sich von der Strategie der einheitlichen, überall gleichen Sicherheitsmassnahmen verabschieden und Massnahmen vermehrt auf Informationen über unterschiedliche Risiken und die aktuelle Bedrohungssituation anstützen. Dies könnte laut Gartner eine klügere Zuteilung von Ressourcen erlauben. (hjm)