Die Stadt Zürich propagiert digitale Bürgernähe

Stadtrat Daniel Leupi präsentiert die Digitalisierungs-Pläne.
Zürich hat schon ein zentrales Login für Online-Services. Nun soll es populär werden.
 
"Wir digitalisieren heute schon viel und wir bleiben dran," war die Kernbotschaft Zürcher Stadtrats und Finanzvorstehers Daniel Leupi. Die Botschaft verkündet Leupi nicht zufällig jetzt, herrscht doch in Zürich Wahlkampf. Und gleich zwei Herausforderer kritisieren die Stadtregierung, sie treibe die Digitalisierung zu langsam, zu kleinmütig und zu ineffizient voran.
 
So hob Leupi primär die Digitalisierungsprojekte löblich hervor, auch wenn der Obertitel der Präsentation "strategische Planung 2018-2021 des Finanzdepartments" lautete. Er darf das auch, denn in seinem Departement ist die zentrale Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ) angesiedelt.
 
Dennoch ein bisschen überraschend rückt plötzlich das laufende Projekt "Mein Konto" ins mediale Scheinwerferlicht. Dieses Single-Sign-On für Bewohner der Stadt und allerlei Online-Services der Stadt gibt es seit einigen Monaten, wurde aber als Beta-Version mit einem Soft Launch aufgeschaltet. Jetzt sind zusätzliche Online-Services mit Potential zur Bürgernähe verfügbar: Diese sind Hortanmeldungen und Bewilligungen für Standaktionen.
 
Bereits verfügbar waren Online-Angebote für Privatpersonen wie E-Umzug (genutzt von fast 50 Prozent aller Umziehenden), Entsorgungskalender, Parkkarten-Bezahlungen oder Heiratstermin-Reservationen. Nun sind es total 17 Services zu denen man sich via PC oder Smartphone einloggen kann. 6000 registrierte Kontoinhaber zählt die Stadt aktuell bei über 400'000 Einwohnern.
 
Ist hinter der Anbindung von unterschiedlichsten Online-Services eine Strategie erkennbar? Ja, so Andreas Németh, Direktor des OIZ. Einerseits sind es Dienstleistungen, welche viele Einwohner öfters nutzen, beispielsweise Eltern mit Kindern in Kitas und Schulen. Andererseits sind es "harmlose" Services zwischen Einwohner und Staat, bei denen ein simples Login mit User-ID und Passwort genügt. Für das höchste Trust-Level unter den verfügbaren Services reicht aktuell eine Schriftenempfangs-Nummer als Authentifikator.
 
Die Grenzen der Digitalisierung
Hier zeigen sich denn auch die Grenzen der Digitalisierung. Ohne staatlich anerkannte E-ID können gewisse Services nur begrenzt oder gar nicht online verfügbar gemacht werden. Das weiss auch Németh. Er zeigt sich zuversichtlich, dass der neue Anlauf für eine E-ID klappe. "Und dann sind wir die ersten, welche diese zulassen", sagt er im Gespräch.
 
Als zweite Hemmschwelle bemängeln Aussenstehende die Trägheit der Verwaltung, die unbestritten grosse Heterogenität der IT-Infrastruktur und die unterschiedlichen Prozesse.
 
Leupi wie Németh halten allerdings daran fest, man komme voran, "gallische Widerstandsnester" gebe es keine. Der OIZ-Direktor erklärt, dass es bei "Mein Konto" nicht nur um das Frontend gehe, sondern primär die Backend-Systeme der Verwaltung Ressourcen beanspruchen. Man wolle die Prozesskette durchgängig digitalisieren, Systembrüche sollen weitestgehend der Vergangenheit angehören.
 
Manchmal geht es auch simpel: So kann die Infrastruktur-Schadensmelde-Plattform "Züri wie neu" mit einem Link integriert werden.
 
Auf eine Prognose, wann "Mein Konto" vollständig umgesetzt sei, lassen sich weder der Politiker Leupi noch der Informatiker Németh ein. Da man mit standardisierten Schnittstellen arbeitet, ist es zumindest theoretisch möglich viele weitere Dienstleistungen effizient verfügbar zu machen.
 
Dieses etappierte Vorgehen mache auch Sinn, weil man die heutige Beta-Version stetig verbessern könne.
 
In nächster Zeit will die Stadt Ferienkurs-Anmeldungen für Kinder integrieren, zudem die Online-Anmeldung für Wochenaufenthalter und einen Job-Service der Stadt. Alles Services, die ebenfalls Bürgernähe für Online-Affine bedeuten.
 
Geplant für einen späteren Zeitpunkt sei, so erklärt Németh, dass man in "Mein Konto" sehen könne, wie weit man mit der Ratenzahlung seiner Steuerrechnung schon ist sowie das E-Baugesuch.
 
Mehr Investitionen in die IT-Sicherheit
Gleichzeitig investiert die Stadt mehr in die IT-Sicherheit und baut in diesem Jahr ein "Security Operation Center" auf, das zum Start mit zwei Personen bestückt wird.
 
Neben Virenschutz und Firewalls soll diese Abteilung in der Lage sein, die ganze städtische IT zu überwachen und auffällige Logs oder ungewöhnlichen Netzwerkverkehr zu identifizieren. Auch die Incident-Response-Fähigkeiten würden erhöht. (Marcel Gamma)