Temenos: Ein Schweizer Softwarehersteller wagt eine Milliarden­übernahme

Die Verwaltungsräte von Temenos und Fidessa sind sich bereits handelseinig: Der Preis soll über 1,8 Milliarden Franken betragen.
 
Erst gestern haben der Genfer Bankensoftwarehersteller Temenos und das britische Unternehmen Fidessa bekannt gegeben, dass sie Übernahmegespräche führen. Nun sind sich die beiden Verwaltungsräte bereits einig: Temenos bietet den Fidessa-Aktionären 35,67 Pfund in bar pro Aktie. Insgesamt beläuft sich der Kaufpreis damit auf rund 1,4 Milliarden Pfund beziehungsweise 1,83 Milliarden Franken.
 
Fidessa ist wie Temenos als Softwareanbieter im Finanzbereich tätig. Fidessa machte letztes Jahr einen Umsatz von 354 Millionen Pfund und einen Reingewinn von 40 Millionen Pfund. 2017 haben die beiden Unternehmen zusammen einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Franken erzielt. Damit würde Temenos nach Umsatz gesehen in die Top-5 der reinen Softwareunternehmen mit Sitz in Europa aufsteigen. Vom Umsatz der beiden Firmen stammen rund 42 Prozent aus Europa, 29 Prozent aus Nord- und Südamerika, 20 Prozent aus dem asiatischen Raum uns 9 Prozent aus Afrika und dem nahen Osten.
 
Der Temenos-Verwaltungsratspräsident Andreas Andreades glaubt, dass die beiden Unternehmen unter einem Dach diesen Umsatz nicht nur halten, sondern auch steigern können. Da die Produkte der beiden komplementär seien, würden sich unter anderem Cross-Selling-Möglichkeiten an die Kunden des jeweils anderen Unternehmens ergeben
 
Komplementär
Während Temenos Core-Banking-Software anbietet, stellt Fidessa Software für das Investmentbanking und den Aktienhandel her. Die Kombination der beiden Produktebereiche unter einem Dach könnte durchaus Sinn machen, erklärte ZKB-Analyst Andreas Müller laut 'Reuters'. In Europa und Asien gebe es viele Banken, die sowohl Retail-Banking als auch Aktienhandel und Vermögensverwaltung betreiben würden. Laut Müller sind auch die von Temenos erhofften Synergien höher als erwartet. Temenos geht von Einsparungen bei den Betriebskosten von 60 Millionen Dollar pro Jahr aus, wenn die Übernahme zustande kommt.
 
Dies hängt davon ab, ob die Aktionäre von Fidessa das Angebot ebenso goutieren wie der Verwaltungsrat. Der offerierte Aktienpreis liegt zwar 37 Prozent über dem Preis der Fidessa-Aktie Ende letzter Woche. Seither hat am Montag die Bekanntgabe guter Geschäftszahlen und am Dienstag die Bekanntgabe der Übernahmegespräche den Preis schon fast auf das Niveau des Übernahmeangebots hochgetrieben. Mittlerweile liegt der Kurs sogar etwas darüber. Möglicherweise spekulieren Investoren auf eine Nachbesserung des Angebots oder darauf, dass sich noch ein weiterer Bewerber einschalten könnte. Unter den Aktionären befindet sich übrigens auch das Investmentunternehmen Elliott Capital Advisors, das knapp 5 Prozent der Fidessa-Anteile hält. Elliott hat schon öfter Verwaltungsräte unter Druck gesetzt, um mehr für die Aktionäre herauszuholen.
 
Hohe Verschuldung
Einfach aus dem Portokässeli kann Temenos den Übernahmepreis übrigens nicht bezahlen. Die Genfer wollen die Akquisition mit Krediten in der Höhe von insgesamt 1,43 Milliarden Pfund finanzieren und würden so ihre Verschuldung stark erhöhen. Nach dem Kauf soll die Verschuldung zuerst durch eine Kapitalerhöhung gesenkt werden, so dass das Verhältnis von Nettoschulden zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibern auf einen Faktor von etwa vier sinken würde. Ausserdem solle der starke Cash-Flow des Unternehmens zur weiteren Schuldensenkung verwendet werden. Mittelfristig, verspricht Temenos, wolle man so wieder einen Schulden-zu-Gewinn-Faktor von eins bis höchstens anderthalb erreichen. (hjm)