Nationalrat will Lohngleichheit im Beschaffungswesen neu messen

Das System für die Beurteilung der Lohngleichheit im Beschaffungswesen soll verfeinert werden. Das will der Nationalrat und unterstützte dazu eine Motion von Franz Grüter (SVP/LU).
 
Das öffentliche Beschaffungswesen verlangt von allen Anbietern, dass sie nachweisen, keine Lohndiskriminierung zwischen den Geschlechtern zu betreiben. Grüter und elf Mitunterzeichnende kritisieren in einer Motion: "Im Beschaffungswesen wird für die 'Messung' der Lohngleichheit nur eine Methodik akzeptiert (Logib), welche auf wackligen Grundlagen steht und kontraproduktive Effekte bewirkt".
 
Grüter ist auch Vizepräsident des Dachverbands ICTswitzerland und vertritt indirekt einen Teil der Branche, die sich schon einige Zeit am Status Quo stört. Swico, ein Verband für ICT-Anbieter, verurteilt das geltende System als "schikanös", die Grundlagen seien zudem "einseitig, realitätsfremd und fehlbare Firmen werden als Folge davon unverhältnismässig hart bestraft".
 
Grüter fordert "eine faire und korrekte Beurteilung der Lohnzahlungen" und kritisiert, dass die zurzeit angewendete Methode die für das einzelne Unternehmen spezifischen Faktoren nicht angemessen berücksichtige.
 
Die Motionäre und der Verband stören sich unter anderem an der Beurteilung von Teilzeitpensen sowie dass Fachkarrieren im Vergleich zu Führungskarrieren ungenügend abgebildet würden. Zudem würde die höchste Ausbildungsstufe für die Beurteilung hinzugezogen, statt die aktuelle, konkrete Funktion im Betrieb.
 
Künftig sollen Anbieter mit einem unabhängigen und nach wissenschaftlichen Kriterien erstellten Gutachten belegen können, dass sie Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen einhalten. Dies die Forderung der Motion.
 
Der Bundesrat lehnte diese aber ab. Seine Argumente: Es sollen "Standards verwendet werden, die auf nationaler wie internationaler Ebene breit akzeptiert sind und für die Unternehmen und die Verwaltung einen möglichst geringen administrativen Aufwand mit sich bringen." Den Nationalrat hat dies nicht überzeugt: mit 126 zu 67 Stimmen unterstützte er die Motion. (mag / sda)