Swisscom oder Orange Business liefern VPN für Schweizer Botschaften

In der Ausschreibung wurden Preise zwischen 83 und 347 Millionen Franken (!) offeriert. In der Realität wird es aber wohl deutlich billiger, glaubt das BIT.
 
Das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL hat vor zwei Tagen auf Simap.ch die Gewinner eines auf den ersten Blick sehr grossen Auftrag bekannt gegeben. Für das Projekt "KOMBV4" des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation (BIT) wurden im letzten September Provider für terrestrische Anbindungen an ein globales Layer-3 IP VPN für die nächsten zehn Jahre gesucht. Die Preisspanne der eingereichten Angebote ging von 83 Millionen Franken bis zu knapp 350 Millionen Franken, wie aus dem Zuschlagsentscheid hervorgeht.
 
Marc Raum, Leiter Supportfunktionen und Mediensprecher beim BIT, präzisiert auf unsere Anfrage hin das Projekt: "Mit der Ausschreibung wurden zwei Anbieterinnen gesucht, über deren globales VPN (Virtual Private Network) die Bundesverwaltung in ihrem eigenen Netz ihre ausländischen Standorte, also Botschaften und Konsulate, mit dem Netz der Bundesverwaltung in der Schweiz verbinden kann." Dabei werde, so Raum, eine bestehende Lösung abgelöst.
 
Wettbewerb und Preiszerfall
Der Zuschlag ging wie schon von Anfang an vorgesehen an zwei Unternehmen. Die glücklichen Gewinner sind Swisscom und Orange Business Switzerland. Auf ein Auftragsvolumen im dreistelligen Millionenbereich dürfen beide aber trotzdem nicht hoffen. Erstens ist mit dem Auftrag keine Mindestbestellmenge verbunden, die beiden müssen bei konkreten Untervorhaben noch einmal gegeneinander antreten. Die Offerten, so erläuterte Raum gegenüber inside-it.ch, beziehen sich auf den (nicht realistischen) Fall, dass eine Firma alle Einzelaufträge erhalten würde. Eine einzelne Anbindung werde erst bei Bedarf im Abruf-Wettbewerb zwischen den beiden Anbietern realisiert.
Und zweites wird es wohl auch insgesamt für den Bund billiger, als man anhand der Preisspanne glauben könnte. Der Markt zeichne sich durch eine hohe Dynamik aus, so Raum, "wodurch erfahrungsgemäss mit einem stetig besser werdenden Preis/Leistungsverhältnis zu rechnen ist. Dafür darf die Bundesverwaltung die Konditionen der Anbieterinnen mittels Benchmarks überprüfen."
 
Je nach Standort die Anbindung einem anderen Provider zu überlassen, sei kein Problem, findet Raum: "Die Anforderungen sind so gestaltet, dass die beiden Zuschlagsempfängerinnen für einzelne anzubindende Standorte jeweils ein Angebot einreichen müssen. Der Auftrag für die Realisierung einer Anbindung wird dann an die Anbieterin mit dem wirtschaftlich günstigsten Angebot erteilt. Die Interkonnektion zwischen den Standorten, welche jeweils per VPN der Anbieterinnen verbunden werden, stellt dabei die Bundesverwaltung in ihrem eigenen Netz sicher."
 
In einem zweiten Los der Ausschreibung wurde übrigens auch ein Anbieter von Anbindungen via Satellit an das Schweizer Bundesnetzwerk gesucht. Diesen Auftrag gewann die französische Firma Marlink mit einer Offerte in der Höhe von 6,7 Millionen Franken. (Hans Jörg Maron)