Government-IT-Flop kostet Kanada hunderte Millionen Franken

"Kanadas Angestellte im öffentlichen Dienst verdienen es, für ihre wichtige Arbeit auch korrekt bezahlt zu werden", schreibt die kanadische Regierung in ihrem neusten Budgetbericht. Leider werden sie das aber nicht, und Schuld ist eine erst 2016 eingeführte Lohnsoftware namens "Phoenix". Die Regierung hat in den vergangenen Jahren bereits 460 Millionen kanadische Dollar (370 Millionen Schweizer Franken) für die Implementierung und später für die Beseitigung von Fehlern des Systems ausgegeben.
 
Mittlerweile stuft die Regierung die Software aber als unrettbar ein. Das Ergebnis der Bemühungen sei "unakzeptabel sowohl für die Regierung als auch für die Angestellten." Bereits wird ein Kredit von 16 Millionen Dollar für die ersten Arbeiten an einem Nachfolgesystem vorgeschlagen.
 
Aber für die kommenden sechs Jahre budgetiert die Regierung Ausgaben von weiteren 431 Millionen kanadischen Dollar im Zusammenhang mit dem bestehenden System. Ein grosser Teil davon ist nicht für den regulären Betrieb vorgesehen, sondern für den Umgang mit fehlerhaften Lohnzahlungen, mit denen offensichtlich weiterhin gerechnet wird.
 
Eigentlich habe man das System ja eingeführt, um Kosten zu sparen, schreibt die Regierung beinahe etwas wehmütig. Daraus wurde offensichtlich nichts. Statt wie geplant 550 Leuten, die sich mit Lohnfragen und dem Support des Systems befassen, müssen nun über 1500 angestellt werden. Einen grossen Personalaufwand verursacht auch die Hilfe für die Angestellten, die einen falschen Lohn erhielten. Die Regierung will auch geradestehen, wenn diese in die eigene Tasche greifen mussten, um finanzielle Engpässe zu überbrücken. Und nicht zuletzt braucht es Hilfe bei der Korrektur von Steuererklärungen, insbesondere wenn zuviel Lohn ausbezahlt wurde.
 
Die Phoenix-Software wurde übrigens von IBM auf Basis einer Plattform von Oracle/PeopleSoft entwickelt. Trotzdem scheint man in Kanada nicht IBM aufs Korn nehmen zu wollen. Der Fehler habe ganz klar beim Projektmanagement auf Behördenseite gelegen, so die offizielle Haltung. Der 2009 gestarteten Initiative "Transformation of Pay" sei zuwenig Personal zugestanden worden, und sie sei schlecht geplant und umgesetzt worden. (hjm)