Ypsomed testet industrielle Anwendung von 5G

Diese Halle wurde gemäss Swisscom mit einem 5G-Netz ausgerüstet.
Swisscom vernetzt Produktion und Logistik von Ypsomed mit 5G. Ypsomed verspricht sich noch höheren Automatisierungsgrad.
 
Swisscom verspricht sich und der Schweiz viel, sehr viel von der Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration 5G. Nicht weniger als die "Zurückholung von Arbeitsplätzen in die Schweiz" werde durch den Einsatz von 5G in der Industrie möglich. Dies sagt Simon Michel, CEO des Insulinpumpenherstellers Ypsomed in einem kurzen Video, das Swisscom heute verbreitete. Anlass war die Demonstration einer 5G-Testinstallation in der Logistik und der Fabrikation von Ypsomed in Solothurn.
 
Swisscom und Ypsomed haben in dem Pilotprojekt "die ganze Prozesskette digitalisiert", wie es heute in einer Mitteilung heisst. Anstatt WLAN oder draht-gebundene Netzwerke baute man ein 5G-Netzwerk auf. Zudem rückte man zentrale Server näher zu den Clients (Sensoren, Maschinensteuerungen, AR-Brillen, ...), indem man bestimmte Serverkompententen direkt in die 5G-Antenne einbaute. Auch werden Industrie-PCs virtualisiert in der 5G-Antenne betrieben. Dies verkürzt die Reaktionszeiten zwischen Servern, auf denen beispielsweise Teile der betriebswirtschaftlichen Software SAP S/4HANA betrieben werden, und den Clients massiv.
 
Mit dem Einsatz von "Edge-Cloud", wie Swisscom das Konzept nennt, liesse sich die Reaktionszeit in der Produktion verkürzen, weil IT-Prozesse lokal und direkt gesteuert werden können, so Swisscom und Ypsomed.
 
Zudem vewendet Swisscom in der Testinstallation in Solothurn eine weitere Technologie, die ein wichtiges Argument für die flächendeckende Einführung von 5G ist: "Network Slicing". Damit können Netzkapazitäten für einzelne Anwendungen reserviert werden. Sie erhalten damit garantierte Bandbreiten. Damit lassen sich für Anwendungen, zum Beispiel die Steuerung von schnell arbeitenden Maschinen, die keine Verzögerungen erlauben, Bandbreiten sicherstellen. Gemäss Swisscom lässt sich die für die Industrie notwendige Stabilität
5G-Mobilfunk ermöglicht auch die Lokalisierung von sich bewegenden Dingen innerhalb von Räumen.
mit den heutigen 4G-Netzen nicht erreichen.
 
Trommeln für 5G – mit politischem Hintergrund
Swisscom verspricht durch die flächendeckende Einführung von 5G-Netzen nichts weniger als die "Stärkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz". Swisscom will an "ausgewählten Standorten" 5G noch in diesem Jahr einführen und bis 2020 das Mobilfunknetz "flächendeckend" auf die neuesten Funktstandards umrüsten.
 
Dass ausgerechnet jetzt darauf hingewiesen wird, wie wichtig die neue Technologie für den Wirtschaftsstandort Schweiz sei, ist nicht Zufall. Denn der Bundesrat möchte gerne die "Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung" (NISV) anpassen und höhere Grenzwerte zulassen. Sämtliche Telekomdienstleister fordern genau dies seit Jahren. In der Bevölkerung gibt es aber viel Skepsis, die sich auch in der Politik widerspiegelt. (hc)