Plant Amazon ein eigenes Bank-Konto-Angebot?

Amazon soll mit grossen Banken darüber sprechen, ein Bankprodukt auf den Markt zu bringen. Dies meldet das 'Wall Street Journal' mit Berufung auf "gutunterrichtete Quellen". Im Visier hat der Online-Händler offenbar ein Girokonto-ähnliches Produkt und zu den Gesprächspartnern gehöre unter anderem JPMorgan Chase und Capital One Financial.
 
Die Gespräche über ein "hybrides" Konto sollen sich aber noch in einem frühen Stadium befinden und könnten auch ergebnislos enden, so die Quellen. Trotzdem werden die Banken rund um den Globus mit Argusaugen beobachten, was resultiert.
 
Amazon hat zig Millionen von Kunden, Kundendaten, keine bremsenden Altlasten wie Legacy-Systeme, viel Tech-Knowhow sowie Zugang zu billigem Kapital und unbegrenzt scheinenden Spielraum von seinen Investoren. Und Amazon ist mehr wert als die beiden grössten US-Banken zusammen, wie das 'Wall Street Journal' anmerkt.
 
Ergo könnte der Konzern viel Marktpower entwickeln.
 
Allerdings deuten die Gespräche mit Banken darauf hin, dass Amazon zumindest vorderhand nicht allein antreten will, sondern mit Partnern. Amazon wollte demzufolge auch keine eigentliche Bank sein und müsste selbst keine Regulatorien und Lizenzen beachten. Darum müssten sich wohl Partner kümmern.
 
Amazon ist auch nicht allein: Diverse Tech-Firmen mit viel Geld experimentieren, darunter Facebook, Google, Alibaba oder Apple.
 
Nun kommt man aber bereits aufs Terrain der Vermutungen über die Motive, die Strategie und die Ziele von Amazon: Mit einem Giro-Konto könnte man Kreditkartengebühren einsparen und allenfalls Zugriff auf das Zahlungsverhalten seiner Kunden erhalten. Eine These, die auch die Quellen des 'Wall Street Journals' stützen. Der hauseigene Service "Amazon Pay" in der aktuellen Form basiert noch auf klassischen Bankverbindungen und Kreditkarten.
Aber vielleicht geht es Amazon auch primär darum, mit Finanzdienstleistungen die Amazon-Reseller zu unterstützen. Und an deren Business verdient Amazon. In einigen Ländern hat man bereits Kreditkarten verfügbar, bietet Cash-Überweisungs-Services und für Firmenkunden gibt es "Amazon Lending".
 
Momentan ist Amazon primär ein Händler und vielleicht ist dies die DNA der Firma. Vielleicht mutiert Amazon zu einer ganz anderen Form von Firma. (mag)