Google hat die Qubits, aber noch nicht die "Quanten-Vorherrschaft"

Googles Quantenprozessor Bristlecone" und eine grafische Darstellung des verwendeten Gitters aus supraleitenden Schaltkreisen.
Google hat an einer wissenschaftlichen Konferenz in den USA erstmals einen aus 72 Qubits bestehenden Quantenprozessor vorgestellt. Damit ist Google einen Schritt näher an der Quanten-Vorherrschaft – sowohl im allgemeinen als auch im spezifischen Sinne.
 
Google dürfte damit momentan den anderen Wettstreitern im Rennen darum, den ersten in der Praxis anwendbaren Quantencomputer zu entwickeln, eine Nasenspitze voraus sein. Weitere Konkurrenten in diesem Rennen sind unter anderem IBM, Intel, Alibaba und Microsoft.
 
Der spezifische Sinn des Fachausdrucks "Quantum Supremacy" ist es, mit einem Quantencomputer erstmals eine ganz bestimmte Berechnung schneller durchführen zu können, als dies mit einem traditionellen Computer möglich wäre. Auch wenn danach der Weg hin zu einem generell verwendbaren Quantencomputer immer noch weit wäre, glauben Google und viele andere Experten, dass die erste Demonstration der Quanten-Vorherrschaft ein extrem wichtiger Meilenstein wäre.
 
Viele Experten glauben auch, dass ein ungefähr 49 Qubits aufweisender Prozessor theoretisch genügen würde, um dies zu schaffen. Die 72 Qubits des neuen, "Bristlecone" genannten Google-Prozessors würden also locker ausreichen. Allerdings muss dazu auch die Fehlerrate tief genug sein, und die ist momentan noch zu hoch.
 
Bristlecone ist eine Weiterentwicklung von Googles 9-Qubit-Prozessor. Google setzt für seine Qubits auf supraleitende Schaltkreise. Eine Besonderheit des bisherigen Quantenprozessormodells von Google ist es, dass sich nebeneinanderliegende Qubits sozusagen gegenseitig überwachen und damit Fehler korrigieren können. Wenn der neue Prozessor die tiefe Fehlerrate des älteren Modells erreichen würde, wäre er wohl auch bereit, die Quantum Supremacy zu demonstrieren. Noch sind dafür aber laut dem Google-Experten John Kelly wohl mehrere Entwicklungsschritte notwendig. Bristlecone soll daher vorerst hauptsächlich dazu verwendet werden, die Fehlerkorrekturmethoden zu verbessern.
 
Trotzdem, so Kelly, sei er "vorsichtig optimistisch" dass Bristlecone auch der Prozessor sei, mit dem sich bald die Quanten-Vorherrschaft demonstrieren lasse. (hjm)