SAP Campus: Demonstrativer Optimismus und S/4Hana

Moderator Sascha Ruefer und SAP-Schweiz-Chef Bernd Brandl diskutieren auf der grossen Bühne. Bild: ts
Die Keynote Speaker am Business-Day des diesjährigen SAP Campus waren sich ziemlich einig: Die Digitalisierung kommt, ist da, geht weiter und sie bietet allerhand Chancen auf eine bessere Welt. Und: Es geht nicht nur um Roboter, sondern auch um Menschen. Jim Hagemann Snabe, ehemaliger Co-CEO von SAP und heute Vorsitzender des Aufsichtsrates von Siemens, prophezeite gar, dass die Entwicklung die Menschen von mühseliger Arbeit befreie und sie dadurch schliesslich erst zu Menschen werden könnten. Aber aufgepasst, die Cyber-Sicherheit dürfe nicht vernachlässigt werden, korrigierte der Däne seinen rosigen Zukunftsentwurf ein klein wenig.
 
Zuvor präsentierten schon Bernd Brandl, Managing Director von SAP Schweiz und Stefan Ries, Chief Human Resources Officer von SAP, ihre hoffnungsvollen Botschaften. Im gut gefüllten grossen San-Franciso-Saal des Basler Kongresszentrums lauschte das Publikum den Ausführungen zu Cloud, KI, Analytics, 3D-Druck, IoT, modernen Arbeitsplätzen und natürlich den Lösungen von SAP. Im Podiumsgespräch, verstärkt um Calvin Grieder, VR-Präsident des Bühler-Konzerns und Urs Lehner, GL-Mitglied von Swisscom, wurden dann etwas kritischere Töne angeschlagen: Bei der Bildung und der Infrastruktur wurden zum Beispiel kleinere Mängel für die digitale Zukunft vermutet.
 
Rund 1500 Personen hatten sich angemeldet und grossteilig auch eingefunden, um sich die Ausführungen anzuhören und sich über den ganzen Tag über Projekte von Partnern, Kunden und SAP informieren zu lassen. So herrschte dann teilweise auch ein wenig Gedränge im Kongresszentrum. Wer etwa um 15 Uhr in den Sydney-Saal zur Break-Out-Session zu einem S/4Hana-basierten Grossprojekt von Migros vorstossen wollte, musste sich durch eine veritable Menschentraube kämpfen: Die Präsentation von Swisscom zu neuen Fiori-Apps – mit denen man von überall auf sein S/4Hana zugreifen kann – stiess auf grosses Interesse.
 
Wer zur gleichen Zeit den Weg links um die zentrale Treppe im Atrium wählte, der musste weniger drängeln: Auf dieser Seite ging es um Leonardo, um 15 Uhr konkret um eine Distributed Computing Platform for Enterprise Data Lakes. In Gesprächen am Rande der Konferenz war zu erfahren, dass einige potentielle Kunden sich unter Leonardo – Technologien und Services rund um IoT, Machine Learning, Analytics, Blockchain und weitere Innovationen – noch relativ wenig Konkretes vorstellen können. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, fanden sich für die eine oder andere Präsentation eine ansehnliche Anzahl Zuhörer hier ein.
 
Anders sieht es mit S/4Hana aus, das wie zu erwarten eine wichtige Rolle nicht nur im grössten Saal für Break-Out-Sessions namens Montreal spielte, sondern auch bei den Transformations-Vorträgen immer wieder zur Sprache kam. Zwar werde die Lösung nicht einfach eingesetzt, weil es sie gibt, aber die Transformation fände definitiv statt, konnte man mehrfach in Erfahrung bringen.
 
Zum Abschluss des Tages gab es ein paar Pointen von Moderator Sascha Ruefer, der sich mit Fussball definitiv besser auskennt als mit SAP. Und schliesslich hatten die Walldorfer auch zwei betont lässige DJs – die Veranstaltung hiess nicht umsonst SAP Campus – aufgeboten, die das Programm in den Abend überführten. Der Kontrast zwischen den jungen Wilden auf der Bühne und dem anzugtragenden Publikum stand symbolisch für den ganzen Tag: Eine hippe Verpackung mit etwas Startup-Groove für einen doch sehr nüchternen Inhalt. (Thomas Schwendener)