Leider nein (nicht ionisierende Folge)

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
 
Wie gut gibt es den Ständerat. Denn die chambre de reflexion schützt die Bürgerinnen und Bürger. Wie lieb, dass man trotz Zwängerei der Telekomanbieter (Wirtschaftsstandort! Digitalisierung! Arbeitsplätze! Zukunft!) nicht nachgibt und an den ultratiefen Grenzwerten für nichtionisierende Strahlung, sprich Mobilfunkanlagen, sprich 5G festhält. Sollen doch die Koreanerinnen mit ihrer unglaublichen Drohnenchoreografie die Welt verblüffen und zeigen, was mit 5G möglich ist. Wir brauchen das nicht und wir wollen das nicht, denn die Antennen könnten strahlen. Schliesslich haben wir das idiotische Kuh-Gemuhe in der automatischen Flughafen-U-Bahn, das seinerseits wieder die Koreanerinnen verblüfft. Das muss reichen.
 
Und, dass die supersicherheitsbedürftigen Deutschen glauben, mit zehn mal mehr Strahlung auskommen zu können, zeigt doch nur, dass wir eben Schweizer sind und es genauer nehmen. Nicht wie die schlampigen Deutschen.
 
Die müssen natürlich auch mehr Angst haben vor Atomkraftwerken, denn unsere, wie etwa der Uran-Schnellkochtopf Beznau I, der eben in diesen Tagen wieder Wasser kochen und Strom herstellen darf, sind natürlich sicherer, als die der Deutschen und sowieso der Russen und Amerikaner und Japaner. Beznau I steht auch nicht wie die nur fast so alten Reaktoren von Fukushima am Meer. Sowas würden wir nie tun, denn Beznau I steht in der Aare und bei uns gibt es ja auch keine Erdbeben oder Überschwemmungen. Höchstens in Basel, aber das ist lange her. Deshalb ist Beznau I auch ein paar Jährli älter als die kaputten Dinger von Fukushima. "Immer diese Ängste der Bevölkerung", sagte der Ständerat vor zwei Jahren und lehnte mit 30 zu 11 die blöde Initiative von ein paar hysterischen Veganern, die mit Beznau Schluss machen wollten, ab. Dafür, dass Beznau viel sicherer ist als 5G, gibt es vier Beweise. Erstens ist der Kochtopf nur 30 Kilometer von Zürich entfernt. Ginge er hoch, wären die ETH, Google, die UBS- und CS-Zentrale und inside-it.ch futsch. Und das würde man wohl nicht zulassen, oder? Ausserdem strahlt Beznau ionisierend und nicht nicht-ionisierend, man soll also bitte nicht Äpfel mit Birnen… Und drittens würde es viel zu viel kosten, das Ding abzuschalten und viertens muss man erst noch ein Endlager finden, was man uns damals in Kaiseraugst ganz ganz sicher für etwa 1985 versprochen hat.
 
5G ist auch viel gefährlicher als die Landwirtschaft, denn wer weiss schon, was die Strahlung den Insekten antut? Und solche hat's nicht mehr viele, die kann man nicht auch noch anstrahlen, sonst müssten die Bauern dann noch die Kirschen selbst befruchten und das wäre teuer. Denn die etwa 150'000 Arbeitenden in der Landwirtschaft bekommen nur etwa vier Milliarden pro Jahr was 26'666 Franken pro Arbeitskraft ausmacht. Man stelle sich vor, die müssten auch noch die fleissigen Bienli ersetzen und rumsummend von Kirschenblüte zu Kirschenblüte düsen. Um die Produktivität zu steigern, brauchen die Bauern natürlich auch Insektizide und sowieso Glyphosat, von dem es dank neuen Grenzwerten bald 3600 mal mehr im Wasser haben darf. Wetten der Ständerat wird uns davor schützen, dass die Bauern das Zeugs nicht mehr verwenden dürfen, denn schliesslich sind die Bauern echte Schweizer und Schwinger und brave Wähler, während man nie so recht weiss, woher die Insekten kommen. Vielleicht könnte man die Sache mit dem Bestäuben ja mit Drohnen lösen. Dann könnte man allenfalls im Ständerat wieder über Grenzwerte für nicht ionisierende Strahlung reden. Bis dahin widmen wir uns besser den wirklich wichtigen Sachen wie zum Beispiel dem Vorstoss von Nationalrat Andreas Aebi (Alchenstorf): "Tierwohlbeiträge auch für Jungschafe". (Christoph Hugenschmidt)