Berners-Lee möchte Internet-Riesen regulieren

Tim Berners-Lee: "Today, I want to challenge us all to have greater ambitions for the web. I want the web to reflect our hopes and fulfil our dreams, rather than magnify our fears and deepen our divisions." (Photo: Screenshot aus einem kurzen Videoclip der britischen Zeitung 'The Guardian'.)
Der Erfinder des WWW will ein Web, das Träume erfüllt, statt Ängste anzufachen.
 
Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web macht sich (ein weiteres Mal) Sorgen um den Zustand "seines" Internets. Das hat er zwar nicht erfunden, aber ohne das WWW wäre es nicht das Internet, das wir heute kennen. Und gerade dieses Internet, das wir heute kennen, gefällt Berner-Lee nicht mehr besonders. Was einst ein reichhaltiges Sammelsurium von Blogs und Webseiten gewesen sei, werde heute "komprimiert" durch das riesige Gewicht einiger weniger dominanter Plattformen.
 
Dies schreibt der 62-jährige Brite in einem offenen Brief zum – nach seiner Zählung, die man aber wohl als offiziell betrachten kann – 29. Geburtstag des World Wide Web. Dieses Jahr werde die Welt einen Meilenstein erreichen: Zum ersten Mal werde mehr als die Hälfte der Menschheit Zugriff zum Internet haben.
 
Nun hat Berners-Lee zwei grosse Ziele: Erstens soll die zweite Hälfte der Menschheit möglichst schnell auch ans Netz. Und zweitens soll das Internet, dass sie dann vorfinden, es auch wert sein, sich einzuklinken. Das Problem für letzteres, so Berners-Lee, sei die Konzentration der Macht bei so wenigen Firmen. Die Dominanz der wenigen Plattformen ermögliche es, das Internet als Waffe zu missbrauchen. Als Symptome nennt er die auf sozialen Medien grassierenden Verschwörungstheorien, Gruppierungen die versuchen, via gefälschte Facebook- und Twitter-Profile soziale Spannungen anzuheizen, die Einmischung von fremden Gruppierungen in Wahlen oder die Massen von persönlichen Daten, die Kriminelle stehlen konnten.
 
Die genannten Unternehmen und Plattformen, so räumt Berners-Lee ein, seien sich der Probleme durchaus bewusst und würden auch versuchen, sie zu lösen. Aber er traut ihnen nicht unbedingt zu, dies auch zu schaffen. Denn alle diese Unternehmen seien gebaut worden, um maximale Profite einzufahren, nicht um das Gemeinwohl zu fördern. Ein gesetzlicher oder regulatorischer Rahmen, so regt Berners-Lee an, könnte zumindest dabei helfen, diesen inneren Widersprich, mit dem Internet-Riesen bei Entscheidungen konfrontiert sind, zu lindern.
 
Tim Berners-Lee hat übrigens auch einen Vorschlag für die Geisteshaltung, die man bei der Lösung von Internet-Problemen einnehmen könnte: Man sollte sie wie Bugs in einer Software angehen. Diese würden schliesslich von Menschen verursacht – und Menschen könnten sie auch lösen. Wenn man die richtigen neuen Anreize setze, werde auch der "Code" des Internets geändert werden. (hjm)