Postfinance rüstet sich für den "Big Bang"

An Ostern sind Postfinance-Services nicht oder eingeschränkt verfügbar. (Quelle: Postfinance)
Bei Postfinance-CIO Markus Fuhrer und seiner IT-Abteilung herrscht "konzentrierte Anspannung", wie er zu inside-it.ch sagt. Ende Monat wird die Kernbankenlösung migriert.
 
Am Osterwochenende werden die Mitarbeitenden von Postfinance gemeinsam mit Tata Consultancy Services (TCS) einiges zu tun haben. Bekanntlich wird im "Big Bang" das seit 1993 bestehende IT-System mit der neuen Kernbankenlösung BaNCS von TCS abgelöst. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen, wie Postfinance-CIO Markus Fuhrer in einem kurzen Telefongespräch mit inside-it.ch sagt. 400 Personen werden am Migrationswochenende anwesend sein, schliesslich handle es sich um eine "Operation am offenen Herzen", so der Vergleich des IT-Chefs.
 
Am Wochenende sind aber nicht nur IT-Angestellte sondern auch Business-Fachleute vor Ort. Es herrsche "konzentrierte Anspannung", aber man freue sich auf den Projektabschluss, sagt Fuhrer.
 
"Viel getestet und akribisch vorbereitet"
Am kommenden Montag, 19. März, wird der finale Go-Entscheid gefällt. Fuhrer kann sich nicht vorstellen, dass dieser Entscheid noch verschoben werde. Man habe die Einführung vier Mal geübt und aus den Tests viele Lehren gezogen. "Alle wichtigen Themen konnten gelöst werden", glaubt der CIO. Ausserdem hätten über 2000 Mitarbeitende an fünf Probetagen auf den Testsystemen auf der neuen IT-Lösung gearbeitet.
 
Nach dem finalen Go-Entscheid am Montag werde die Bank die Kunden genau informieren, welche Services wie lange nicht verfügbar sind. Der Startschuss fällt dann am Gründonnerstag um 18.00 Uhr. Von da an bis Montagabend, 2. April, stehen weder E-Finance noch E-Trading für die Kunden zur Verfügung. Das Hauptportal ist über das gesamte Osterwochenende ausser Betrieb, die Postfinance Card hingegen könne fast durchgehend genutzt werden. Eine Tabelle (siehe Bild oben) gibt Aufschluss über die Verfügbarkeit der einzelnen Services. "In den Generalproben haben sich diese Zeiten bewährt", glaubt der CIO, "wir haben uns akribisch vorbereitet und viel getestet." Er geht davon aus, dass dieser Zeitplan eingehalten werden kann.
 
Das Osterwochenende habe man gewählt, weil man einerseits mehr Zeit für die Migration benötige, als an einem normalen Wochenende zur Verfügung stehen
Markus Fuhrer, IT-Leiter Postfinance.
würde. Andererseits fällt Ostern auf ein Monats- sowie Quartalsende, was eine saubere Überführung der Kundenkonten gewähre. Daneben sind die Osterfeiertage keine Valuta-Daten.
 
Wie geht es nach Ostern weiter?
Ist die Migration vollzogen, werde das Projekt am Montagabend an den IT-Betrieb übergeben. Dann gehe es insbesondere darum, die Performance sicherzustellen. "Am Anfang kann es Instabilitäten und Holperer geben", sagt Fuhrer. IT-Fachleute stünden aber 24/7 vor Ort zur Verfügung, falls es Probleme geben sollte. "Das wäre unschön, können wir aber nicht ausschliessen. Die Bank wird jedoch funktionieren", sagt er weiter.
 
Mit der Migration des Kernbankensystems räumt Postfinance auch die bestehende IT-Landschaft auf. Braucht es nach Projektabschluss weniger IT-Angestellte bei der Bank? "Im Gegenteil", betont der CIO. Bei einer Bank sei die Informatik ein strategisches Element. Auch Postfinance müsse sich den "Herausforderungen der Digitalisierung stellen". Es gibt laut Fuhrer keinen Abbauplan. Aber für das Grossprojekt habe man natürlich auf eine Reihe von strategischen externen Partner zurückgegriffen. Diese werden nach Abschluss nicht mehr in diesem Ausmass benötigt. "Wir wollen die IT-Führungs- und konzeptionelle Kompetenzen im Haus", führt der CIO aus. Auf Partnerfirmen gehe man zu, um Spitzen auszugleichen. Eine Core-Banking-Migration sei die absolute Spitze, die – naturgemäss – so schnell nicht wieder vorkommt. (Katharina Jochum)